Serbiens Tennislegende Novak Djokovic, einst unantastbarer Nationalheld, gerät ins Kreuzfeuer regierungsnaher Medien. Seine Unterstützung für Studentenproteste kostet ihn den Status des unangefochtenen Idols.
Kritik nimmt zu
In Serbien zeichnet sich ein bemerkenswerter Wandel ab: Tennislegende Novak Djokovic, jahrelang als unantastbarer Nationalheld verehrt, sieht sich zunehmend öffentlicher Kritik ausgesetzt. Der Grund: sein offenes Eintreten für die landesweiten Studentenproteste. Die regierungsnahe Boulevardzeitung „Informer“ ging nach einer Demonstration so weit, den Weltklassespieler als „Schande“ zu bezeichnen und unterstellte ihm, Teil einer „Farbrevolution“ (gewaltloser Regimewechsel) zu sein.
Besonders Djokovics Pläne, mit seiner Familie nach Athen zu ziehen, wurden vom „Informer“ scharf attackiert und als Beweis für „falschen Patriotismus“ gewertet. Doch der Tennisstar lässt sich von diesen Anfeindungen offenbar nicht beeindrucken. Bei einem Basketballspiel in Belgrad demonstrierte er seine anhaltende Solidarität mit den Protestierenden, indem er einen Pullover mit der Aufschrift „Students are Champions“ trug.
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Auslöser der Proteste
Die Protestbewegung, mit der sich Djokovic identifiziert, entstand nach dem tragischen Einsturz einer Bahnhofsüberdachung in Novi Sad im November 2024, bei dem 15 Menschen ihr Leben verloren. Das Unglück löste landesweit Debatten über Korruption und die Regierungsführung von Präsident Aleksandar Vucic aus. Die Proteste dauern bereits seit über acht Monaten an und werden von täglichen Mahnwachen sowie regelmäßigen Massenversammlungen begleitet.
Von Beginn an positionierte sich Djokovic auf Seiten der Demonstranten und widmete während der Australian Open sogar einen seiner Siege einer bei den Protesten verletzten Studentin.
Präsident Vucic selbst hält sich mit direkter Kritik am Tennisstar auffallend zurück – vermutlich im Bewusstsein von Djokovics enormer Popularität im Land. „Er kann so viel gegen mich sagen, wie er will, aber etwas Schlechtes über ihn zu sagen, wäre dumm und töricht“, erklärte Vucic in einer bemerkenswerten Zurückhaltung.
Simbolische Gesten
Für Aufsehen sorgte auch eine Geste Djokovics während des Wimbledon-Turniers im Juli, als er sich selbst anfeuerte. Beobachter interpretierten dies als Anspielung auf den charakteristischen Anfeuerungsruf der Studentenproteste. Der Sportler selbst erklärte allerdings, die Geste sei für seine Kinder gedacht gewesen.
Konkrete Konsequenzen
Die politischen Spannungen haben bereits konkrete Auswirkungen auf Djokovics Geschäfte: Das ATP-Turnier Belgrad Open, das bisher von der Familie Djokovic organisiert wurde, findet 2025 erstmals nicht in Serbien, sondern in Athen statt. Als Grund werden die anhaltenden politischen Spannungen und die Kritik regierungsnaher Medien genannt, die den Tennisstar als „falschen Patrioten“ diffamierten.
Ungeachtet der wachsenden Angriffe aus dem Regierungslager bleibt Djokovic seiner Linie treu und zeigt sich von den Attacken der regierungsnahen Medienlandschaft unbeeindruckt.