Ungebetene Mitbewohner in Luxusunterkunft: Eine ganze Fledermauskolonie quartierte sich in einem Nationalpark-Hotel ein – mit potenziell lebensgefährlichen Folgen für Hunderte Urlauber.
In einer Unterkunft im Grand Teton National Park in Wyoming hat sich eine ungewöhnliche Situation entwickelt: Eine komplette Fledermauskolonie hatte sich in mehreren Zimmern der Jackson Lake Lodge eingenistet. Wie CNN berichtet, meldeten bereits im Jänner mehrere Gäste Begegnungen mit den nachtaktiven Tieren in ihren Zimmern. Die volle Tragweite wurde jedoch erst Ende Juli erkannt, als Mitarbeiter die gesamte Kolonie entdeckten und umgehend acht Räume sperrten.
Die Gesundheitsbehörden zeigen sich besorgt, da zwischen Mitte Mai und Ende Juli mehr als 200 Urlauber in den betroffenen Zimmern übernachtet haben und möglicherweise einer tödlichen Tollwut-Gefahr ausgesetzt waren. „Besonders beunruhigend sind Fälle, in denen Gäste Fledermäuse in ihren Zimmern bemerkt haben oder direkten Kontakt mit den Tieren hatten“, erläutert Dr. Alexia Harrist, die oberste Gesundheitsbeamtin Wyomings, gegenüber CNN. Eine besondere Herausforderung: Die Bisse der Fledermäuse sind oft so klein, dass sie unbemerkt bleiben – vor allem bei schlafenden Personen oder Kratzern auf der Haut.
Ein erhöhtes Risiko besteht auch für Kleinkinder, die mögliche Begegnungen mit Fledermäusen nicht kommunizieren können. Die Behörden haben nun Kontakt zu allen potenziell betroffenen Urlaubern aufgenommen, um individuelle Risikobewertungen durchzuführen. Ein kleiner Lichtblick: Einige tote Fledermäuse wurden bereits auf Tollwut getestet – mit negativem Ergebnis. Allerdings repräsentieren diese nur einen kleinen Teil der etwa 100 Tiere umfassenden Kolonie.
Die lebenden Exemplare wurden nicht getötet, sondern aus den Gebäuden vertrieben und durch spezielle Vorrichtungen an einer Rückkehr gehindert.
Tollwut-Verbreitung
Das Tollwut-Virus ist global verbreitet, mit besonders hohem Vorkommen in Afrika, Asien und weiten Teilen Südamerikas. Als Überträger fungieren verschiedene Säugetiere wie Hunde, Füchse, Waschbären und eben Fledermäuse – grundsätzlich können sich jedoch alle Säugetierarten inklusive des Menschen infizieren. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch den Speichel infizierter Tiere, typischerweise durch Bisse. In selteneren Fällen kann das Virus auch über unverletzte Schleimhäute oder kleine Hautverletzungen eindringen, wenn diese mit infektiösem Speichel in Kontakt kommen.
In Österreich wurde der letzte durch heimische Wildtiere verursachte Tollwut-Todesfall 1979 in Kärnten nach einem Fuchsbiss dokumentiert. Ein importierter Fall trat 2004 auf, als ein Mann nach dem Biss eines tollwütigen Hundes in Marokko verstarb. Seit 2008 gilt Österreich offiziell als frei von terrestrischer Tollwut (Landtier-Tollwut).
Schutzmaßnahmen
Effektive Präventionsmaßnahmen umfassen regelmäßige Impfungen von Hunden sowie orale Immunisierung von Wildtieren. Für Reisende in Risikogebieten wird eine vorbeugende Schutzimpfung empfohlen. Nach einem Kontakt mit verdächtigen Tieren ist schnelles Handeln entscheidend: Eine fünfteilige Impfserie innerhalb von zwei Wochen nach der Exposition kann den Krankheitsausbruch verhindern.
Sobald jedoch Symptome wie Muskelschmerzen, Erbrechen oder Juckreiz auftreten, verläuft die Erkrankung beim Menschen nahezu immer tödlich.