Ein Leben zwischen Wissenschaft, Kunst und Kontroverse: Gunther von Hagens hinterlässt ein Erbe, das Millionen bewegt hat.
Gunther von Hagens, der Erfinder der Plastination, ist gestorben. Der Mediziner und Unternehmer verschied am 24. Juli im Alter von 81 Jahren, wie seine Angehörigen mitteilten. Bereits am Vortag war der an Parkinson erkrankte von Hagens aufgrund einer Gehirnblutung in eine Heidelberger Klinik gebracht worden.
Mit dem von ihm begründeten Plastinationsverfahren veränderte von Hagens die anatomische Wissenschaft grundlegend. Die Methode, die er 1977 an der Universität Heidelberg entwickelte, ermöglicht die dauerhafte Konservierung biologischer Präparate und löste weltweit sowohl Bewunderung als auch intensive Debatten aus.
Leben & Verfolgung
Gunther von Hagens erblickte am 10. Jänner 1945 als Gunther Gerhard Liebchen im damaligen Alt-Skalden, dem heutigen Polen, das Licht der Welt. Den Nachnamen, unter dem er weltbekannt wurde, übernahm er von seiner ersten Ehefrau. Im Jahr 1968 geriet er in der DDR ins Visier der Staatsmacht, nachdem er gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings protestiert und einen Fluchtversuch unternommen hatte.
Er wurde verurteilt und inhaftiert. Zwei Jahre später kaufte ihn die Bundesrepublik als politischen Gefangenen für 40.000 D-Mark frei. Aus dem einstigen DDR-Häftling wurde schließlich einer der international bekanntesten deutschen Mediziner.
Körperwelten weltweit
Nach Angaben seines Unternehmens haben bislang mehr als 58 Millionen Menschen die „Körperwelten“-Ausstellungen besucht. Dort präsentierte von Hagens plastinierte menschliche Körper und Organe mit dem Ziel, anatomisches und medizinisches Wissen einem breiten Publikum näherzubringen. Während er für viele als Visionär galt, blieb seine Arbeit für andere mit Vorbehalten behaftet.
Seine Ehefrau Angelina Whalley betonte, dass ihr Mann nie auf Sensation gesetzt habe. Sein Ziel sei gewesen, Menschen einen bewussteren Umgang mit ihrem eigenen Körper zu ermöglichen.
Im Jahr 2015 eröffnete die Körperwelten-Ausstellung in Berlin-Mitte am Alexanderplatz. Bereits zu Lebzeiten hatte von Hagens geäußert, nach seinem Tod selbst plastiniert werden zu wollen. Diesen Wunsch beabsichtigt die Familie nun umzusetzen. Ob und an welchem Ort sein plastinierter Körper der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll, ist derzeit noch ungeklärt. Als möglicher Ausstellungsort gilt das Plastinarium in Guben, das von Hagens im Jahr 2006 eröffnet hatte.