Ein Manifest, zwei Todesopfer, ein erschossener Täter – ein Angriff in Montréal wirft erschreckende Fragen über eine radikale Bewegung auf.
Laut einem Bericht des kanadischen Rundfunksenders Radio-Canada soll der mutmaßliche Täter eines Schusswaffenangriffs in Montréal der frauenfeindlichen Incel-Bewegung angehört haben. Demnach habe er ein entsprechendes Manifest hinterlassen. Die Polizei machte zunächst keine Angaben zu einem möglichen Motiv oder Hintergrund der Tat.
Angriff in Montréal
Der Angriff ereignete sich in einem jüdischen Viertel der kanadischen Metropole. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben – ein Zivilist und ein Polizist. Der Schütze wurde im Zuge des Einsatzes von alarmierten Beamten erschossen.
In sozialen Netzwerken kursierten Aufnahmen, die eine in Militärkleidung gekleidete Person mit einem Gewehr zeigen, die reglos auf dem Boden liegt. Der Vorfall löste in Kanada tiefe Bestürzung aus. Derartige Gewalttaten gelten in dem Land als ausgesprochen selten. Der letzte Tod eines Polizisten im Dienst in Montréal liegt 24 Jahre zurück, wie der Leiter der örtlichen Polizei erklärte.
Incel-Bewegung
Bei der Incel-Bewegung – der Begriff leitet sich vom englischen Ausdruck „involuntarily celibate“ ab – handelt es sich um einen Zusammenschluss heterosexualer Männer, die nach eigenen Angaben unfreiwillig auf sexuelle Beziehungen verzichten müssen. Ihre Frustration darüber verbinden viele Anhänger mit einem ausgeprägten Hass auf Frauen, der sich häufig in Gewaltfantasien äußert.
Bereits 2018 hatte ein Anhänger dieser Bewegung bei einem Angriff in Toronto elf Menschen getötet – darunter überwiegend Frauen. Der Täter Alek Minassian wurde im Juni 2022 von einem Gericht in Ontario zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit der Bewährung vor 25 Jahren verurteilt.