Ein Ausnahmetalent, ein TV-Kultgesicht, ein Denker des Fußballs – Alfred Tatar hinterlässt eine Lücke, die kaum zu füllen sein wird.
Alfred Tatar ist tot. Der österreichische Fußball verlor am Donnerstag eine seiner schillerndsten Figuren – im Alter von nur 62 Jahren erlag er den Folgen der unheilbaren Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose). Die Nachricht traf die heimische Sportgemeinschaft mit voller Wucht.
Bereits im vergangenen Jahr hatte Tatar seine langjährige Rolle als Experte beim Bezahlsender Sky aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt und sich seither vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.
Analytiker & Kultfigur
Der gebürtige Niederösterreicher war eine Ausnahmeerscheinung – als Kicker, als Trainer und als Analytiker. Auf dem Platz fiel er nicht nur durch sein hohes fußballerisches Talent auf, sondern auch durch eine unverwechselbare, extravagante Persönlichkeit.
Als Trainer entwickelte er sich zu einer Art Philosophen des Spiels, ehe er beim Fernsehen zu einer echten Kultfigur avancierte. Seine pointierten Analysen bei Sky machten ihn zu einem der bekanntesten Gesichter des österreichischen Sportfernsehens – zahlreiche seiner Bonmots kursieren bis heute auf YouTube und in den sozialen Netzwerken.
Als ausgebildeter Biologe und Mathematiker brachte Tatar eine intellektuelle Tiefe in seine Betrachtungen des Fußballs ein, die ihresgleichen suchte – unter anderem im Sportkrone-Podcast, der vor einigen Jahren auf der Hohen Warte in Wien-Döbling aufgezeichnet wurde.
Trauer bei Vienna
Als aktiver Spieler stand Tatar unter anderem beim Traditionsklub Vienna unter Vertrag, wo er gemeinsam mit dem argentinischen Weltmeister Mario Kempes ein gefürchtetes Offensivduo bildete. Auch als Trainer kehrte er später zur Vienna zurück – zuvor war er unter anderem für den SV Mattersburg und den SV Ried tätig gewesen.
Der Verein meldete sich am Donnerstag mit bewegenden Worten zu Wort: „Die gesamte Vienna-Familie trauert und spricht auf diesem Weg allen Angehörigen und Wegbegleitern ihr aufrichtiges Beileid aus.“ Vor der kommenden Partie gegen SW Bregenz wird es eine Trauerminute geben – die Vienna wird das Spiel mit Trauerflor im Gedenken an Alfred Tatar bestreiten.