Deutschland verschärft die Strafen für K.-o.-Tropfen – und setzt damit ein Signal, das auch in Österreich Wirkung zeigt.
Die deutsche Bundesregierung hat eine Verschärfung des Strafrechts im Umgang mit K.-o.-Tropfen auf den Weg gebracht. Substanzen, die bei sexuellen Übergriffen und Raubdelikten eingesetzt werden, sollen künftig als „gefährliche Mittel“ eingestuft werden. Mit dieser Neukategorisierung plant die Regierung, die geltende Höchststrafe von drei auf fünf Jahre anzuheben.
Grundlage für diesen Schritt ist eine Dunkelfeldstudie des Bundeskriminalamtes, die im Februar 2026 veröffentlicht wurde. Demnach geben 5,2 Prozent der Deutschen an, bereits einmal Opfer solcher Substanzen geworden zu sein.
Schwierige Strafverfolgung
Der forensische Toxikologe Stefan Toennes erläutert die pharmakologische Wirkungsweise dieser Stoffe: „Es geht um zentralnervös dämpfende Stoffe, die man im Allgemeinen Sedativa (Beruhigungsmittel) nennt.“ Besonders heikel ist dabei der Umstand, dass Liquid Ecstasy im Körper rasch abgebaut wird – Toennes zufolge ist die Substanz bereits nach sechs bis acht Stunden im Blut nicht mehr nachweisbar, was eine spätere Strafverfolgung erheblich erschwert.
Justizministerin Stefanie Hubig sieht in der geplanten Gesetzesänderung eine notwendige Konsequenz: Heimlich verabreichte, gesundheitsgefährdende Substanzen müssten strafrechtlich mit der gebotenen Schärfe verfolgt werden.
Kritik und Forderungen
Nina Fuchs vom Verein „Kein Opfer e.V.“ bewertet die Gesetzesinitiative zwar grundsätzlich positiv, mahnt jedoch zur Vorsicht vor überzogenen Erwartungen: „Von härteren Strafen bei quasi kaum Verurteilungen haben Betroffene nichts.“ Sie fordert ergänzend mehr Aufklärungsarbeit sowie gezielte Schulungen, um die nach wie vor niedrigen Verurteilungsquoten in diesem Bereich zu verbessern.
In Österreich existiert bislang keine eigene statistische Erfassung von Fällen mit K.-o.-Tropfen. Politikerinnen sprechen sich nun dafür aus, nach deutschem Vorbild eine entsprechende Studie in Auftrag zu geben und gleichzeitig den Ausbau von Gewaltschutzambulanzen voranzutreiben, um Betroffenen künftig wirksamer helfen zu können.