Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Verbraucherschutz

Gefährliches Spielzeug und EU-Wut: Temu steht mit Rücken zur Wand

Gefährliches Spielzeug und EU-Wut: Temu steht mit Rücken zur Wand
FOTO: iStock, Temu-Screenshot
3 Min. Lesezeit |

Billig, beliebt und brisant: Der chinesische Online-Gigant Temu gerät ins Visier der EU-Kommission. Millionen Europäer kaufen auf einer Plattform, die offenbar systematisch gegen Digitalvorschriften verstößt.

Der chinesische Online-Marktplatz Temu verstößt laut einer Expertenanalyse der EU-Kommission gegen europäische Digitalvorschriften. Die Plattform hat sich in Deutschland und Europa zu einem der führenden Online-Händler entwickelt und zählt mehrere Millionen Nutzer in der EU. Als sehr große Online-Plattform im Sinne des EU-Digitalrechts gilt Temu aufgrund der vom Unternehmen selbst gemeldeten Nutzerzahl von mehr als 45 Millionen monatlich aktiven Personen in der EU.

Die Brüsseler Behörde stellte in ihrer vorläufigen Bewertung fest, dass für europäische Verbraucher ein erhebliches Risiko besteht, auf illegale Produkte zu stoßen. Die Untersuchung förderte Babyspielzeug und Elektronikprodukte zutage, die nicht den EU-Standards entsprechen. Die Ermittlungen gegen Temu laufen bereits seit längerem. Im vergangenen Oktober hatte die Kommission eine Überprüfung eingeleitet, um festzustellen, ob die Plattform ausreichende Maßnahmen gegen den Verkauf illegaler Waren ergreift.

Drohende Konsequenzen

Nach Auffassung der EU-Kommission müsste Temu gemäß dem Gesetz über digitale Dienste (DSA) deutlich wirksamere Maßnahmen gegen die Verbreitung illegaler Produkte auf seinem Marktplatz ergreifen. Kommissionsvizepräsidentin Henna Virkkunen betonte dazu: „Die Sicherheit der Verbraucher im Internet ist in der EU nicht verhandelbar.“ Das Unternehmen aus China hat nun Gelegenheit, auf die Anschuldigungen zu reagieren.

Sollte Temu sein Verhalten nicht anpassen oder die Vorwürfe nicht entkräften können, droht eine formelle Feststellung eines Verstoßes durch die Kommission. Dies könnte eine Geldstrafe von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes nach sich ziehen. Die von Ursula von der Leyen geführte Behörde machte am Montag deutlich, dass noch keine endgültige Entscheidung darüber gefallen sei, ob Temu tatsächlich gegen EU-Recht verstößt.

Weitere Verstöße

Die Kommission wies darauf hin, dass parallel weitere Ermittlungen zu anderen mutmaßlichen Verstößen gegen das Digitalgesetz laufen – darunter auch die Verwendung suchtfördernder Designelemente auf dem Marktplatz. Zusätzlich zur DSA-Untersuchung gehen europäische Verbraucherschutzbehörden gegen Temu vor. Das Netzwerk für die Zusammenarbeit im Verbraucherschutz (CPC-Netz) hatte im November mehrere Praktiken der Plattform als Verstöße gegen EU-Recht identifiziert.

Zu den beanstandeten Praktiken zählten irreführende Rabattaktionen, gefälschte Bewertungen sowie fehlende oder irreführende Informationen zu Verbraucherrechten. Zudem verstecke Temu Kontaktinformationen, wodurch Kunden nur schwer mit der Plattform in Verbindung treten könnten.

Das Brüsseler Verfahren gegen Temu fällt in eine Phase zunehmender wirtschaftlicher Spannungen mit China.

Mangelhafte Risikobeurteilung

Die Europäische Kommission hat in ihrer Untersuchung festgestellt, dass Temu die Risiken für Verbraucher nicht ausreichend bewertet hat. Nach Ansicht der EU-Experten verfügt die Plattform über unzureichende Maßnahmen, um den Verkauf illegaler Produkte zu unterbinden. Die Behörden stießen dabei besonders auf Probleme bei Babyspielzeug und Elektronikartikeln, die potenzielle Sicherheitsgefahren darstellen könnten.

Neben den Produktmängeln stehen auch Temus Geschäftspraktiken in der Kritik. Die Plattform soll systematisch mit irreführenden Rabatten werben und Produktbewertungen manipulieren. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die mangelnde Transparenz bei Händlerinformationen, wodurch Kunden oft nicht erkennen können, wer tatsächlich hinter den angebotenen Artikeln steht.