Mitten in der Nacht der Stillstand: Ein gerissenes Stromkabel legt einen Railjet lahm. Die Rettung der 47 Passagiere wird zur komplexen Sicherheitsoperation.
Ein Oberleitungsschaden legte in der Nacht zum 19. Feber 2026 einen Railjet auf der Strecke von Venedig nach Wien lahm. Die gerissene Stromleitung traf die Lokomotive während der Fahrt und verursachte einen technischen Defekt. Der Zug kam daraufhin auf offener Strecke zum Stehen. Gegen 0.15 Uhr alarmierte die ÖBB per Notruf die Freiwillige Feuerwehr Wiener Neustadt zur Einsatzstelle nahe der Metro Wiener Neustadt. Da von der spannungsführenden Leitung erhebliche Gefahr ausging, konnten die unverletzten Fahrgäste erst nach fachgerechter Erdung durch den ÖBB-Streckendienst aus dem Zug geholt werden.
⇢ Glatteisgefahr und Verkehrschaos durch heftigen Schneefall
Zur Unterstützung bei der Evakuierung wurde die Feuerwehr Wiener Neustadt hinzugezogen. Neben der regulären Nachtbereitschaft erfolgte die Alarmierung der diensthabenden Gruppe per Funkrufempfänger. Die Einsatzkräfte errichteten eine spezielle Rettungsplattform, um den Passagieren das Verlassen des Zuges zu erleichtern, und sorgten für ausreichende Beleuchtung der Ausstiegsstelle.
Erfolgreiche Evakuierung
„47 Personen wurden nach Freigabe des ÖBB-Einsatzleiters in Absprache mit dem Zugpersonal aus dem liegengebliebenen RailJet geleitet. Die gestrandeten Passagiere wurden mit zwei Mannschaftstransportfahrzeugen und einem Kommandofahrzeug der Feuerwehr in mehreren Tranchen zum Hauptbahnhof Wiener Neustadt gefahren“, teilte die Freiwillige Feuerwehr Wiener Neustadt in einer Aussendung mit.
„Das Notfallmanagement der ÖBB hat bestens funktioniert. In Kooperation mit der Feuerwehr konnten die Passagiere unverletzt den Zug verlassen und durch unsere Kräfte zum Hauptbahnhof gebracht werden. Dieser Einsatz zeigte wieder die Vielfalt der Einsätze der Feuerwehr und bewies die hervorragende Zusammenarbeit mit den ÖBB, der Polizei und dem Rettungsdienst“, zeigte sich Feuerwehreinsatzleiter und Kommandant der Wiener Neustädter Feuerwehr Christian Pfeiffer vom reibungslosen Ablauf des Einsatzes zufrieden.
Sicherheitshinweise
Die Freiwillige Feuerwehr Wiener Neustadt war mit fünf Fahrzeugen und zehn Einsatzkräften bis 2.20 Uhr im Einsatz. Bei Vorfällen mit heruntergefallenen Stromleitungen wirken Eisenbahnwaggons – ähnlich wie Pkw – nach dem Prinzip des „Faradayschen Käfigs“. Diese geschlossene Metallhülle schirmt das Innere vor äußeren elektrischen Feldern ab.
Bei solchen Zwischenfällen ist es lebenswichtig, diesen geschützten Bereich nicht eigenmächtig und ohne klare Anweisungen zu verlassen. Im Umkreis von mehreren Metern um die Schadstelle besteht akute Lebensgefahr durch Stromschlag. Für einen sicheren Einsatz und die gefahrlose Evakuierung der Passagiere muss die beschädigte Leitung zunächst stromlos geschaltet und geerdet werden – eine Aufgabe, die ausschließlich geschultem Fachpersonal vorbehalten ist.
Die Feuerwehr betont, dass vor dieser Erdung keinerlei Maßnahmen am Fahrzeug durchgeführt werden dürfen.