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Gift-Alarm: Diese Europa-Karte zeigt, wo Ewigkeits-Chemikalien lauern

Gift-Alarm: Diese Europa-Karte zeigt, wo Ewigkeits-Chemikalien lauern
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6 Min. Lesezeit |

Sie stecken im Trinkwasser, in Lebensmitteln, im Boden und sogar im menschlichen Blut – und verschwinden praktisch nicht mehr aus der Umwelt.

Vor wenigen Jahren war der Begriff PFAS für viele Menschen in Österreich noch kaum bekannt. Die Abkürzung steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – eine große Gruppe synthetisch hergestellter Chemikalien, die seit Jahrzehnten in Industrie, Technik und Alltagsprodukten eingesetzt werden. Weil ihre chemischen Bindungen besonders stabil sind, bauen sie sich in der Natur kaum ab. Deshalb werden sie auch „Ewigkeitschemikalien“ genannt.

PFAS sind wasser-, fett- und schmutzabweisend. Genau diese Eigenschaften machen sie für viele Anwendungen attraktiv: Sie stecken oder steckten unter anderem in Antihaftbeschichtungen, Outdoor-Kleidung, Lebensmittelverpackungen, Kosmetika, Imprägnierungen, Industrieprozessen und bestimmten Feuerlöschschäumen. Das Problem: Was technisch nützlich ist, kann ökologisch hoch problematisch werden – vor allem dann, wenn PFAS bei Produktion, Anwendung oder Entsorgung in Boden und Grundwasser gelangen.

Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das nicht automatisch, dass jede beschichtete Pfanne oder jede Regenjacke eine akute Gefahr darstellt. Kritisch sind vor allem großflächige Einträge in die Umwelt – etwa durch Industrieanlagen, Altlasten, Deponien oder den früheren Einsatz PFAS-haltiger Löschschäume. Genau solche Fälle beschäftigen inzwischen auch Österreich.

PFAS in Österreich: Wo das Problem sichtbar wird

Österreich ist kein PFAS-freier Raum. Das Umweltbundesamt verweist darauf, dass PFAS auch hierzulande in den vergangenen Jahren in Oberflächenwasser, Grundwasser, Trinkwasser, Böden, Lebensmitteln, Tieren und Menschen untersucht wurden. Besonders sensibel ist dabei das Grundwasser, weil es in Österreich eine zentrale Rolle für die Trinkwasserversorgung spielt.

Die europäische „Forever Pollution Map“ zeigt, dass PFAS-Belastungen nicht nur ein Problem großer Industrieregionen sind. Auch in Österreich finden sich dokumentierte oder vermutete Belastungsstandorte. Die Karte unterscheidet zwischen nachgewiesener Kontamination, bekannten PFAS-Nutzern, PFAS-Produktionsstandorten und Verdachtsflächen. Wichtig ist jedoch: Die Karte ist keine vollständige amtliche Bestandsaufnahme, sondern eine wissenschaftlich und journalistisch aufgearbeitete Sammlung verfügbarer Daten.

Konkrete österreichische Fälle zeigen, wo die Risiken besonders deutlich werden. In Oberösterreich wurden im Bezirk Linz-Land erhöhte PFAS-Konzentrationen im Grundwasserabstrom festgestellt. Als Verdachtsbereiche wurden unter anderem der frühere Einsatz PFAS-haltiger Löschmittel am Flughafen Linz-Hörsching sowie ein Brandereignis auf einem ehemaligen Abfallentsorgungsareal in Hörsching genannt.

Auch rund um den Flughafen Salzburg ist PFAS ein großes Thema. Dort wurde eine Altlast im Zusammenhang mit früher verwendeten Löschschäumen festgestellt. Laut Flughafen Salzburg bestätigten Untersuchungen eine großflächige Verunreinigung des Grundwassers im Untersuchungsgebiet; inzwischen läuft eine Grundwasserreinigungsanlage mit Aktivkohlefiltern. Das Leitungs- und Trinkwasser der Stadt Salzburg sei laut den veröffentlichten Informationen nicht betroffen.

Aktuell zeigt auch der Fall rund um das OMV-Areal in Schwechat, wie lange PFAS-Einträge nachwirken können. Dort wurde berichtet, dass PFAS-haltiger Löschschaum bis 2020 bei Feuerwehrübungen auf dem Raffineriegelände eingesetzt worden sei. Die OMV will ihr Sicherungssystem demnach erweitern, um eine weitere Ausbreitung einzudämmen.

Gesundheitliche Risiken

PFAS rücken zunehmend in den Fokus von Wissenschaft, Behörden und Politik, weil sie langlebig sind, sich in der Umwelt verbreiten und über Wasser sowie Lebensmittel in den menschlichen Körper gelangen können. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA sieht die verringerte Immunantwort auf Impfungen als besonders kritischen gesundheitlichen Effekt bestimmter PFAS und legte dafür bereits 2020 eine tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge fest.

Auch die Krebsgefahr einzelner Stoffe wird inzwischen strenger bewertet. Die Internationale Agentur für Krebsforschung stufte PFOA als krebserregend für den Menschen ein; PFOS gilt als möglicherweise krebserregend. Das bedeutet nicht, dass jede geringe Belastung automatisch krank macht – wohl aber, dass dauerhafte Belastungen möglichst reduziert werden sollten.

Besonders schwierig ist, dass PFAS nicht als einzelner Stoff betrachtet werden können. Es handelt sich um eine große Stoffgruppe mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften. Manche Substanzen reichern sich stärker im Körper an als andere, manche sind mobiler im Wasser, andere bleiben eher im Boden. Gerade diese Vielfalt macht Regulierung, Messung und Sanierung kompliziert.

Trinkwasser: Neue Grenzwerte seit 2026

Für Österreich besonders relevant ist die Trinkwasserfrage. Mit der Umsetzung der EU-Trinkwasserrichtlinie gilt in Österreich ein Parameterwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für die Summe von 20 ausgewählten PFAS. Dieser Wert ist seit 12. Jänner 2026 einzuhalten.

Das Umweltbundesamt berichtet, dass bei untersuchten Grundwassermessstellen ein kleiner Teil den künftigen Trinkwasserwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter überschritten hatte. Das entsprach 0,74 Prozent der untersuchten Messstellen. Solche Überschreitungen gelten als Hinweis auf erhebliche PFAS-Einträge in den Untergrund.

Die gute Nachricht: Österreich verfügt grundsätzlich über eine sehr hochwertige Trinkwasserversorgung. Die schlechte Nachricht: PFAS-Belastungen können lokal auftreten und bleiben dann oft über lange Zeit bestehen. Deshalb werden Monitoring, Transparenz und rasche Ursachenklärung in den kommenden Jahren entscheidend sein.

Lebensmittel und Alltag

PFAS gelangen nicht nur über Wasser, sondern auch über Lebensmittel in die Nahrungskette. Seit 2023 gelten in der EU Höchstwerte für bestimmte PFAS in ausgewählten tierischen Lebensmitteln, darunter Eier, Fischereierzeugnisse, Muscheln, Fleisch und Innereien. Weitere Lebensmittelgruppen sollen überwacht werden, darunter Obst, Gemüse, Milchprodukte, Wildpilze sowie Säuglings- und Kleinkindernahrung.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist das Thema dennoch schwer greifbar. PFAS sind unsichtbar, geruchlos und im Alltag nicht selbst erkennbar. Wer sein persönliches Risiko senken möchte, kann vor allem dort ansetzen, wo es bereits Alternativen gibt: PFAS-freie Outdoor-Bekleidung, fluorfreie Imprägniermittel, PFAS-freie Lebensmittelverpackungen und bewusster Umgang mit beschichteten Produkten können helfen. Die größere Verantwortung liegt jedoch nicht bei Einzelpersonen, sondern bei Industrie, Behörden und Politik.

Warum die Sanierung so schwierig ist

Einmal in Boden und Grundwasser eingetragen, lassen sich PFAS nur schwer wieder entfernen. Aktivkohlefilter, Ionenaustauscher oder spezielle Membranverfahren können belastetes Wasser reinigen, lösen aber nicht automatisch das gesamte Altlastenproblem. Die Schadstoffe müssen dauerhaft überwacht, gebunden, entsorgt oder technisch behandelt werden.

Österreich steht damit vor einer langfristigen Aufgabe: Belastete Standorte müssen identifiziert, Eintragsquellen gestoppt und besonders sensible Bereiche wie Trinkwasserressourcen konsequent geschützt werden. Entscheidend ist, dass PFAS nicht erst dann politisch ernst genommen werden, wenn bereits hohe Sanierungskosten entstehen.

Die Debatte zeigt ein klassisches Dilemma moderner Chemiepolitik: PFAS waren und sind für bestimmte technische Anwendungen enorm nützlich. Gleichzeitig haben sie eine Eigenschaft, die sie ökologisch gefährlich macht – sie bleiben. Genau deshalb wird auf EU-Ebene seit Jahren über weitreichende Beschränkungen diskutiert.

Für Österreich bedeutet das: Die „Ewigkeitschemikalien“ sind kein abstraktes Umweltproblem irgendwo in Europa. Sie betreffen auch heimische Böden, heimisches Grundwasser und damit langfristig eine der wichtigsten Ressourcen des Landes: sauberes Wasser.

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KO KOSMO-Redaktion
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