Ewigkeitschemikalien im Grundwasser – und ein Löschschaum steht im Verdacht. In Mannswörth sind Hausbrunnen betroffen.
In der Katastralgemeinde Mannswörth im Bezirk Bruck an der Leitha wurden im Grundwasser sogenannte Ewigkeitschemikalien nachgewiesen. Als wahrscheinliche Ursache gilt ein Löschschaum, der bei Übungen der Feuerwehr auf dem Gelände der OMV-Raffinerie zum Einsatz kam. Das öffentliche Trinkwassernetz sei von der Belastung nicht betroffen, wird ausdrücklich hervorgehoben.
Das betroffene Gebiet erstreckt sich nördlich der Raffinerie im Bereich der Katastralgemeinde Mannswörth. Neben dem Anschluss an das öffentliche Versorgungsnetz greifen dort zahlreiche Haushalte auch auf private Brunnen zurück. Da Hausbrunnen keiner Meldepflicht unterliegen, lasse sich die genaue Zahl der betroffenen Personen nicht beziffern, erklärte Bürgermeisterin Karin Baier (SPÖ) gegenüber noe.ORF.at.
Erhöhte PFAS-Werte
Im Rahmen von Untersuchungen wurden in einer Wohnsiedlung in Mannswörth erhöhte Konzentrationen von Per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) im Grundwasser gemessen, wie „Der Standard“ zuerst berichtete. Die betroffenen Haushalte werden von der OMV gemeinsam mit der Stadtgemeinde Schwechat schriftlich in Kenntnis gesetzt. Jene Bewohnerinnen und Bewohner, deren Brunnen bereits beprobt wurden, seien über die Ergebnisse bereits persönlich informiert worden, so Baier.
Für den Fall, dass durch eine verstärkte Nutzung des öffentlichen Netzes höhere Wasserkosten entstehen, wurde ein Kostenersatz in Aussicht gestellt. „Bis zur abschließenden fachlichen Bewertung wird empfohlen, Grundwasser in den betroffenen Bereichen jedenfalls nicht als Trinkwasser und auch vorsorglich nicht für die Gartenbewässerung, Poolbefüllung, Tierhaltung, Fischzucht oder ähnliche Anwendungen zu verwenden“, heißt es auf der Website der von der OMV eingerichteten Ombudsstelle.
Die gemessenen Werte erreichten bis zu 0,3 Mikrogramm pro Liter – das entspricht dem Dreifachen des seit Jänner geltenden EU-Grenzwerts. Bei weiteren geprüften Hausbrunnen lag die Überschreitung bei rund zehn bis 15 Prozent. „Die Unterschiede waren zum Teil sehr groß“, sagte Baier; durch weitere Messungen soll geklärt werden, ob sich die Werte im Zeitverlauf verändern.
Der EU-Grenzwert beziehe sich auf eine lebenslange Exposition, wurde Matthias Zessner, Professor an der Technischen Universität Wien, im „Standard“ zitiert: „Das erhöhte Level ist zwar durchaus kritisch, aber es besteht keine akute Toxizität.“ Der PFAS-haltige Löschschaum wurde der Zeitung zufolge bis 2020 bei Feuerwehrübungen auf dem Raffinerie-Gelände eingesetzt. Die OMV beabsichtige nun, ihr Sicherungssystem auszubauen, um PFAS vollständig aus dem Wasser zu entfernen und eine weitere Ausbreitung der Belastung zu verhindern.
Greenpeace-Forderungen
PFAS sind in der Umwelt nicht abbaubar und können für die Gesundheit von Mensch und Tier ein Risiko darstellen. Greenpeace richtete per Aussendung die Forderung an die OMV nach einer „lückenlosen Aufklärung“. Darüber hinaus wurde „ein lückenloses österreichweites Monitoring, ein öffentliches PFAS-Register für belastete Böden und Wasser sowie ein rasches EU-weites Verbot dieser Umweltgifte“ verlangt.
Bund und Länder seien aufgefordert, Industrieanlagen und Flughäfen einer systematischen Untersuchung zu unterziehen.