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Konsequenzen

Grazer Amoklauf: Regierung packt 10-Punkte-Plan gegen Waffenzugang

Grazer Amoklauf: Regierung packt 10-Punkte-Plan gegen Waffenzugang
Am 10. Juni 2025 gab Bundeskanzler Christian Stocker (2.v.l.) anlässlich eines Amoklaufs an einer Schule in Graz eine Pressekonferenz. FOTO: BKA/Florian Schrötter
4 Min. Lesezeit |

Nach dem Grazer Amoklauf mit elf Toten reagiert die Regierung mit einem 10-Punkte-Plan. Die Tragödie wirft Fragen auf, warum der Täter trotz gescheiterter Musterung legal Waffen erwerben konnte.

Nach der verheerenden Amoktat von Graz mit elf Todesopfern und einer dreitägigen Staatstrauer plant die Bundesregierung, in der kommenden Woche im Ministerrat ein umfassendes Maßnahmenpaket zu beschließen. Dieses zielt sowohl auf die Unterstützung der betroffenen Familien als auch auf die Prävention ähnlicher Vorfälle in der Zukunft ab. Wie ein hochrangiger Regierungsvertreter gegenüber „Heute“ bestätigte, arbeiten ÖVP, SPÖ und Neos derzeit an einem 10-Punkte-Plan. Bundeskanzler Christian Stocker (VP) wird am Montag in einer Regierungserklärung die Öffentlichkeit über die aktuellen Entwicklungen informieren.

Der 21-jährige Arthur A. verübte am Dienstag im BORG (Bundesoberstufenrealgymnasium) in der Grazer Dreierschützengasse ein Massaker mit zehn Todesopfern, bevor er sich selbst das Leben nahm. Bei seinem Angriff trug er ein Headset und eine Schussbrille, zudem führte er eine Glock, eine Schrotflinte sowie einen Waffengürtel mit Messer mit sich. Der Täter schoss in den Gängen und in zwei Klassenzimmern wahllos auf Menschen.

Nach der Tat beging er in einer Toilettenanlage Suizid, wo ihn die eintreffenden Spezialeinheiten nach der Erstürmung des Gebäudes fanden. Den Ermittlungen zufolge hatte er das Gewehr Mitte April und die Faustfeuerwaffe im Mai – beides auf legalem Wege – erworben. Seit März hatte er regelmäßig auf einem Schießstand trainiert.

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Waffenrechtliche Lücken

Besonders brisant ist die Tatsache, dass der 21-Jährige beim psychologischen Eignungstest während der Musterung zum Grundwehrdienst durchgefallen war. Aufgrund von Datenschutzbestimmungen durfte das Bundesheer dieses Ergebnis jedoch nicht weitergeben, wodurch Arthur A. problemlos Waffen erwerben konnte. Dies wirft ernsthafte Fragen zur Effektivität der Überprüfungsverfahren für Waffeninteressenten auf.

Bei einer Durchsuchung seiner letzten gemeldeten Wohnadresse außerhalb von Graz stellten Sprengstoffexperten der Polizei am Dienstagnachmittag eine nicht funktionsfähige Rohrbombe sowie offenbar verworfene Pläne für einen Sprengstoffanschlag sicher. Neben den neun getöteten Schülern im Alter zwischen 14 und 17 Jahren erlag auch eine kurz vor der Pensionierung stehende Lehrerin ihren schweren Schussverletzungen im Krankenhaus.

Bei den Opfern handelt es sich um sieben Mädchen und drei Burschen, die – mit Ausnahme eines polnischen Staatsangehörigen – österreichische Staatsbürger waren. Arthur A. nahm sich wenige Wochen vor seinem 22. Geburtstag auf einer Toilette das Leben. Insgesamt forderte der Amoklauf vom 10. Juni 2025 in Graz somit elf Menschenleben. Die weiteren elf verletzten Personen im Alter von 15 bis 26 Jahren, die aus Österreich, Rumänien und dem Iran stammen, befinden sich nach derzeitigem Informationsstand außer Lebensgefahr.

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Täters Hintergrund

Der Täter wurde als Sohn einer Steirerin und eines aus Armenien stammenden Vaters in der Oststeiermark geboren. Bis zu seinem 14. Lebensjahr besuchte er dort eine Informatik-Schwerpunktklasse in einer Neuen Mittelschule. Nach einem Umzug – seine Eltern hatten sich getrennt, der Vater lebte nicht mehr im gemeinsamen Haushalt – besuchte Arthur A. zunächst bis 2019 eine Wirtschaftsfachschule.

Danach wechselte er ins Oberstufen-Realgymnasium. Im BORG Dreierschützengasse, wo er am Dienstag den schrecklichen Amoklauf mit zehn Todesopfern verübte, war er im Fachbereich für Informations- und Kommunikationstechnologie eingeschrieben. Seine schulischen Leistungen waren unzureichend, er musste eine Klasse wiederholen und verließ die Schule schließlich 2022 ohne Abschluss.

In der Folgezeit scheiterten mehrere Versuche, durch staatliche Beschäftigungsprogramme beruflich Fuß zu fassen. Zuletzt hatte Arthur A. 2024 an einem AMS-Kurs teilgenommen und in seiner Frustration offenbar zunehmend gewaltorientierte Gedanken entwickelt.

Das von der Regierung geplante Maßnahmenpaket umfasst verschiedene Bereiche: Einen Entschädigungsfonds für betroffene Angehörige, der Begräbniskosten, psychologische Betreuung und Maßnahmen für das BORG Dreierschützengasse abdecken soll. Für die Maturanten des betroffenen Gymnasiums sind Erleichterungen bei der mündlichen Reifeprüfung vorgesehen. Wie „Heute“ erfuhr, sollen sie auch die Möglichkeit erhalten, ohne mündliche Matura erfolgreich abzuschließen.

An Schulen wird die Polizeipräsenz bis zum Schuljahresende deutlich verstärkt. Die Anzahl der Schulpsychologen soll erhöht werden, und mit Schulabbrechern sind Gespräche geplant. Eine Verschärfung der Waffengesetze in Österreich ist ebenfalls vorgesehen, mit strengeren Eignungs- und Zugangsvoraussetzungen für bestimmte Personengruppen.

Neue, verschärfte Social-Media-Regeln für Kinder und Jugendliche sollen eingeführt werden. Gefährdete Jugendliche sollen intensiver beobachtet werden. Das Bildungsministerium entwickelt neue Präventionskonzepte für Schulen. Nach dem Bekanntwerden, dass der beim psychologischen Musterungstest durchgefallene Attentäter dennoch an Waffen gelangen konnte, soll künftig ein verbesserter Datenaustausch zwischen den Bundesbehörden stattfinden.

Personen mit erhöhtem Risikopotenzial soll der Zugang zu Waffen erschwert werden. Arthur A. war zwar für den Wehrdienst untauglich, erhielt aber problemlos eine Waffenbesitzkarte.

Zudem sollen Medien zu einer sensibleren Berichterstattung über Gewalttaten angehalten werden.

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KO KOSMO-Redaktion
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