Ein Verbindungshaus, sieben Beschuldigte, eine Klägerin – und eine Universität, die nun unter massivem Druck steht.
An der Cornell University im US-Bundesstaat New York sind die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in einem schwerwiegenden Fall sexueller Gewalt wieder aufgenommen worden. Die mutmaßliche Tat soll sich am 19. Oktober 2024 in einem Verbindungshaus ereignet haben.
Eine ehemalige Studentin der Cornell University, einer Ivy-League-Institution in Ithaca, New York, erhebt schwere Vorwürfe gegen sieben Mitglieder der Studentenverbindung Chi Phi. Die damals 20-Jährige gibt an, in dem Verbindungshaus sexuell missbraucht worden zu sein. Sie hat inzwischen unter dem Pseudonym Jane Doe Klage gegen die sieben Männer, die Universität und weitere Beteiligte eingereicht.
Laut Klage sei die Studentin zum Konsum einer Substanz gedrängt worden, die ihr als Ketamin bezeichnet wurde. Zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Übergriffs sei sie stark alkoholisiert und unter Drogeneinfluss gewesen und daher nicht in der Lage gewesen, ihre Einwilligung zu geben. Während des mutmaßlichen Übergriffs soll einer der Männer in einem Snapchat-Gruppenchat geschrieben haben, im oberen Stockwerk gebe es eine Frau „gratis“ – eine herabwürdigende Aufforderung an weitere Mitglieder, dazuzukommen. Der Chatbeitrag ist Teil der Klageunterlagen.
Am 16. September reichte sie eine Zivilklage gegen die Universität sowie die sieben Beschuldigten ein.
Cornells Umgang
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Verhalten der Cornell University im Umgang mit den Vorwürfen. Laut dem Anwalt der Klägerin seien lediglich zwei der sieben Beschuldigten von der Hochschule ausgeschlossen worden, während die übrigen mit vergleichsweise geringfügigen Maßnahmen – etwa der Teilnahme an Workshops oder dem Verfassen eines Aufsatzes – davongekommen seien. Die Universität widerspricht dieser Darstellung: Man habe härtere Konsequenzen gezogen, darunter Suspendierungen und Ausschlüsse, und ein Gremium aus Lehrenden habe jeden Einzelfall gesondert geprüft.
Der Fall hat weit über die USA hinaus für Diskussionen gesorgt und in sozialen Netzwerken erhebliche Empörung ausgelöst. Auch prominente Stimmen meldeten sich zu Wort: Schauspielerin Florence Pugh sowie die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez übten öffentlich Kritik an den bisherigen Entscheidungen der Hochschule. Ocasio-Cortez forderte bei einer Veranstaltung ein entschiedeneres Vorgehen gegen derartige Vorfälle.
Widersprüchliche Aussagen
Bezirksstaatsanwalt Matthew von Houten wies darauf hin, dass die in der Zivilklage erhobenen Vorwürfe von jenen Aussagen abweichen, die Jane Doe im November 2024 unter Eid gemacht hatte – damals sei nicht von einer Gruppenvergewaltigung die Rede gewesen. Ihr Anwalt Thomas Giuffra hält dem entgegen, dass die Ermittler seinerzeit keine ausreichenden Fragen gestellt hätten. Die Wiederaufnahme der Ermittlungen bezeichnete er als „einen Schritt in die richtige Richtung, wenn auch einen späten.“
Die Staatsanwaltschaft des Bezirks Tompkins County will den Fall einer Grand Jury vorlegen, die sowohl die Aussage von Jane Doe als auch neue Beweise aus der Zivilklage prüfen soll.