Zwischen Vollspaltenboden und Hitzekollaps – das Leben österreichischer Mastschweine ist geprägt von Leid. Die Kluft zwischen Industriehaltung und artgerechter Existenz wächst.
Die Realität der Schweinehaltung in Österreich ist erschreckend. Nutztiere werden hierzulande generell als Lebewesen zweiter Klasse behandelt, wobei Schweine besonders unter den Haltungsbedingungen leiden. Sie verbringen ihr Leben auf Vollspaltenböden, zusammengepfercht und oft verletzt. Besonders tragisch: Viele dieser Tiere sterben bereits vor dem eigentlichen Schlachttermin an Überhitzung – ein verheerendes Schicksal.
Im Gegensatz zu Hunden, die durch Hecheln und Schwitzen an den Pfoten ihre Körpertemperatur regulieren können, verfügen Schweine nur im Bereich der Nase über Schweißdrüsen. Für sie ist das Schlammbad lebenswichtig – sowohl zur Temperaturregulierung als auch zum Schutz vor UV-Strahlung. In Mastbetrieben fehlt zwar die direkte Sonneneinstrahlung, doch von Klimatisierung kann keine Rede sein. Meist sorgt lediglich eine einfache Lüftungsanlage dafür, dass nicht sämtliche eng zusammengepferchten Tiere im Sommer kollabieren.
Bio vs. Massentierhaltung
Die Diskrepanz zwischen konventioneller Schweinemast und biologischer Freilandhaltung könnte kaum größer sein. Während in Mastbetrieben die Tiere auf engstem Raum zusammengedrängt werden, schreiben die EU-Richtlinien für Bio-Siegel und Freilandhaltung einen Hektar Freifläche für maximal 14 Mastschweine vor. Diese Vorgaben stellen Landwirte vor wirtschaftliche Herausforderungen: Wie sollen sie Mitgefühl für ihre Tiere entwickeln, wenn sie selbst um ihre Existenz kämpfen müssen?
Hoffnung macht zumindest die gesetzliche Entwicklung: Das Verbot für Vollspaltenbuchten wurde in Österreich beschlossen, allerdings mit langen Übergangsfristen. Während für Neu- und Umbauten bereits seit 2023 strengere Vorgaben gelten, die unter anderem verpflichtende Klimatisierung und bis zu 20 Prozent mehr Platz pro Tier vorsehen, müssen bestehende Anlagen erst bis Ende 2039 umgerüstet werden – ein Zeitraum, in dem noch Millionen Schweine unter den alten Bedingungen leiden werden.
Mögliche Lösungswege
Der Kontrast ist frappierend: Auf dem Tierschutzhof der Pfotenhilfe genießen gerettete „Schnitzel“ ein artgerechtes Leben mit erfüllten Grundbedürfnissen, während zahlreiche Mastschweine bereits vor der Schlachtung qualvoll ersticken. Es gibt nur zwei Auswege aus diesem Dilemma: Entweder müssen die Preise für Schweinefleisch so angehoben werden, dass Landwirte trotz besserer Haltungsbedingungen profitabel wirtschaften können und die Tiere ihr kurzes Leben wenigstens ohne Verletzungen, mit Tageslicht und artgerechten Bedingungen verbringen dürfen – oder Konsumenten verzichten gänzlich auf Schweinefleisch, wodurch die Massenproduktion überflüssig würde.
Der kürzlich aufgedeckte Schweinemastskandal in der oberösterreichischen Stadt Wels verdeutlicht die erschreckende Gleichgültigkeit mancher Landwirte gegenüber dem Tierwohl.
Interessanterweise geht die Zahl der in Österreich gehaltenen Schweine kontinuierlich zurück. Laut aktuellen Daten der Statistik Austria wurden Anfang Juni 2024 rund 2,52 Millionen Schweine gezählt – ein Rückgang von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser Trend hält bereits seit Jahrzehnten an, was sowohl auf veränderte Konsumgewohnheiten als auch auf die wirtschaftlichen Herausforderungen der Branche hindeutet.