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Nachruf

„Ich bin unsterblich“ – Kroatiens mutigste Schriftstellerin Vedrana Rudan ist tot

„Ich bin unsterblich“ – Kroatiens mutigste Schriftstellerin Vedrana Rudan ist tot
Foto: United Union / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0 (reduziert auf S/W)
3 Min. Lesezeit |

Sie provozierte, polarisierte und liebte das Leben – bis zuletzt mit schwarzem Humor. Nun ist Vedrana Rudan verstummt.

Vedrana Rudan, kroatische Schriftstellerin und Kolumnistin, ist am 18. August 2026 im Alter von 76 Jahren gestorben. Jahrzehntelang provozierte sie, spaltete die Gemüter und gewann zugleich eine treue Leserschaft – mit einer Direktheit, die sie zu einer der unverwechselbarsten literarischen Stimmen des ehemaligen Jugoslawiens machte. Selbst den eigenen Tod behandelte sie mit jenem schwarzen Humor, der ihr Werk von Anfang an prägte.

Bekannt gegeben wurde ihr Ableben am Dienstag auf ihrer offiziellen Website – mit den Worten: „Vedrana ist in ein Gebiet ohne Signal gegangen.“ Eine Formulierung, die sie selbst geprägt hatte: Noch zu Lebzeiten hatte Rudan ihren Leserinnen und Lesern erklärt, wie sie ihren Tod eines Tages deuten sollten – als „Abgang in ein Gebiet ohne Signal“.

Offene Worte

In den vergangenen Jahren sprach Rudan offen über ihre schwere Erkrankung. In der kroatischen Fernsehsendung „Nedjeljom u 2″ schilderte sie, dass bei ihr ein aggressiver Krebs der Gallenwege festgestellt worden war. Auch angesichts dieser Diagnose blieb ihr schwarzer Humor ungebrochen.

Am Ende des Gesprächs wandte sie sich jenen Menschen zu, die ihr nahestanden, und sprach davon, wie sehr sie geliebt werde – und wie sehr sie selbst liebe. Dann folgte ein Satz, der seither nicht mehr loszulassen ist: „Ich bin unsterblich.“ Ihren Tod, so Rudan damals, sollten ihre Leser als Reise an einen Ort ohne Empfang verstehen.

Laut ihrer Biografie auf der eigenen Website arbeitete Rudan als Buchhalterin, Journalistin, Radio-Redakteurin und Fernsehmoderatorin. Einem breiten Publikum wurde sie vor allem zu Beginn der 2000er-Jahre als Schriftstellerin bekannt. Ihr 2002 erschienener Roman „Uho, grlo, noz“ begründete ihren literarischen Ruf: direkt, wütend, ironisch, bisweilen vulgär und nahezu durchgehend gesellschaftskritisch.

Rudan schrieb über Themen, die andere mieden – Gewalt gegen Frauen, Ehe und Familie, Sex, Alter, Armut, Nationalismus, Politik, Kirche und gesellschaftliche Doppelmoral. Diplomatisch war sie dabei selten. Genau das machte sie zu einer Autorin, der man entweder leidenschaftlich zugetan war oder ebenso leidenschaftlich widersprach.

Schonungslos bis zuletzt

In ihren späteren Jahren rückten Krankheit, Alter und die eigene Endlichkeit zunehmend in den Mittelpunkt ihrer Texte – mit derselben Schonungslosigkeit, mit der sie zuvor über Politik, Männer, Frauen und gesellschaftliche Zustände geschrieben hatte. Sie berichtete von Krankenhausaufenthalten, ihrem familiären Alltag und dem Leben als Krebspatientin, ohne dabei in Selbstmitleid zu verfallen oder die Situation zu verklären.

Noch Ende Juli widmete sie einen ihrer Texte den Pflegekräften der Onkologie in Rijeka – und richtete den Blick, obwohl sie selbst schwer krank war, auf jene, die täglich an der Seite schwerkranker Menschen arbeiten.

Neben „Uho, grlo, noz“ veröffentlichte sie zahlreiche weitere Romane, autobiografische Werke und Kolumnensammlungen, darunter „Kosturi okrunjeni mamuzama“, „Ljubav na posljednji pogled“, „Crnci u Firenci“ und „Dozivotna robija“. Ihre Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt, einzelne Werke für die Bühne adaptiert.

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KO KOSMO-Redaktion
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