Die Zeckenplage in Österreich erreicht alarmierende Ausmaße. Mit hohen Infektionsraten und ersten Krankenhauseinweisungen von Kindern wächst die Sorge vor gefährlichen Folgeerkrankungen.
Die Zeckengefahr in Österreich hat heuer dramatische Ausmaße erreicht. Ein umfassendes Monitoring zeigt einen erheblichen Anstieg der Population dieser gefährlichen Spinnentiere. Besonders betroffen sind Niederösterreich, Oberösterreich und die Steiermark. Aktuelle AGES Untersuchungen liefern besorgniserregende Zahlen: Im Innviertel waren zwölf von 47 untersuchten Zecken mit Borrelien infiziert. Im Raum Linz-Wels fiel der Test bei 18 von 59 Exemplaren positiv aus. Deutlich geringer ist die Belastung im Raum Steyr-Kirchdorf, wo nur eine von 22 Zecken den Erreger in sich trug.
Die neueste österreichweite Zeckenstudie der AGES zeigt, dass bereits 22,1 Prozent der untersuchten Zecken mit Borrelien infiziert sind. Neben Borrelien wurden auch weitere Krankheitserreger nachgewiesen: Rickettsien (15,6 Prozent), Anaplasma phagocytophilum (5,8 Prozent) und Candidatus Neoehrlichia mikurensis (2,0 Prozent) – was das Infektionsrisiko durch Zeckenstiche zusätzlich erhöht.
Die Folgen der Zeckenplage sind bereits spürbar. Vier Kinder mussten nach Zeckenbissen ins Linzer Kepler Klinikum eingeliefert werden. Bei zwei von ihnen wurden bereits Entzündungsherde im Gehirn festgestellt. Angesichts dieser Entwicklung mahnt die Ärztin Ariane Biebl Eltern eindringlich, den Impfstatus ihrer Kinder zu kontrollieren. Wer noch keinen Impfschutz besitzt, sollte diesen unbedingt nachholen.
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Borreliose-Risiko
Problematisch bleibt die medizinische Lage bei Borreliose. Während gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) eine Schutzimpfung existiert, fehlt bei der bakteriellen Infektionskrankheit bislang eine entsprechende Präventionsmöglichkeit. Gerade in Oberösterreich ist das Ansteckungsrisiko besonders hoch. Eine Untersuchung unter burgenländischen Jägern ergab, dass nahezu alle Teilnehmer bereits Kontakt mit Borrelien hatten. Laut Infektiologe Rainer Gattringer vom Klinikum Wels dürfte die Situation im Risikogebiet Oberösterreich vergleichbar sein.
Impfstoff-Entwicklung
Der Mediziner gibt jedoch zu bedenken, dass nicht jeder Kontakt mit dem Erreger zwangsläufig zu einer Erkrankung führt. Das Immunsystem könne vieles abwehren. Typische Symptome wie Wanderröte, Kopfschmerzen oder Fieber lassen sich gut mit Antibiotika behandeln. Gefährlich wird es, wenn die Borreliose das Nervensystem angreift. Besonders Kinder sind anfällig für Hirnhautentzündungen. Die Forschung arbeitet deshalb intensiv an einem Impfstoff.
Der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller vermeldet bereits, dass sich die Entwicklung in den finalen Phasen befindet. Trotz der vielversprechenden Fortschritte wollen sich weder Impfstoffhersteller noch Experten wie Infektiologe Gattringer auf einen konkreten Zulassungstermin festlegen. Österreichische Gesundheitsbehörden betonen, dass bislang weiterhin nur eine Impfung gegen FSME verfügbar ist, während für Borreliose noch immer keine Schutzimpfung existiert.