Statt Gesang gab es Geduldsprobe: Belgrader Grundschüler erlebten eine 20-Stunden-Odyssee auf dem Weg nach Budapest – das neue EU-Grenzsystem bremste ihre Chorfahrt dramatisch aus.
Schulkinder über 20 Stunden unterwegs
Was als normale Chorfahrt nach Budapest geplant war, entwickelte sich für Grundschüler aus Belgrad-Neu-Belgrad zu einer strapaziösen Reiseodyssee. Die Kinder der 3. bis 8. Klasse der Grundschule “Milan Rakic” starteten am Freitagabend um 22:30 Uhr zu einem Chorfestival – und kamen erst nach mehr als 20 Stunden am Zielort an. Statt der üblichen sechs Stunden Fahrtzeit verbrachten die Schüler über zehn Stunden allein am Grenzübergang Horgos, wie Milorad, ein besorgter Vater, berichtet.
Ursache für die massive Verzögerung ist das neu eingeführte Entry/Exit-System (EES) der Europäischen Union. Das digitale Registrierungssystem wurde am 28. Oktober zunächst am Übergang Tompa-Kelebija und am 4. November dann auch am Übergang Röszke-Horgos in Betrieb genommen – mit gravierenden Folgen für den Grenzverkehr. “Die vier Busse fuhren am Freitagabend los, nahmen unterwegs noch Kinder in Zrenjanin auf und erreichten Budapest erst gegen drei Uhr morgens”, schildert der Elternteil die Situation.
⇢ Chaos durch neues EU-System: Reisende sitzen 10 Stunden an serbisch-ungarischer Grenze fest
Sicherheitsbedenken der Eltern
Obwohl es den Kindern nach der Ankunft gut ging, zeigt sich der Vater beunruhigt über die potenziellen Risiken: “Die Kinder selbst realisieren gar nicht, welcher Gefahr sie ausgesetzt waren. Der Busfahrer hätte nach so vielen Stunden am Steuer unkonzentriert werden können – er hatte weder einen Beifahrer noch jemanden zur Ablöse.”
Das beauftragte Transportunternehmen “Radojevic Tours” aus Obrenovac verteidigt seine Planung. Der Direktor erklärte gegenüber dem Portal “Blic”, dass die 400 Kilometer lange Strecke für einen Fahrer durchaus zumutbar sei und niemand mit derartigen Wartezeiten an der Grenze gerechnet habe. “Laut Medienberichten sollte die Wartezeit etwa zwei Stunden betragen. Ich erwog, vier zusätzliche Fahrer zu schicken, aber das hätte eine Anmeldung beim Innenministerium für Kontrollen und Alkoholtests erfordert – ohne diese Formalitäten hätte ich gegen Vorschriften verstoßen. Die eingesetzten Fahrer hatten alle nötigen behördlichen Kontrollen durchlaufen.”
Systemprobleme an Grenzen
Ein ähnliches Szenario erlebten am selben Freitagabend auch serbische Reisende mit Ziel Prag. Sie berichteten, dass sie gegen Mitternacht am Grenzübergang eintrafen und dort ohne Verpflegung und Wasser festsaßen. Nach inoffiziellen Informationen liegt die Hauptursache für die Staus in der uneinheitlichen Anwendung des neuen EU-Systems. Reisende berichten, dass die ungarischen Grenzbeamten das EES-System nur zeitweise einsetzen – für einige Stunden pro Schicht – was den Grenzübertritt zusätzlich verlangsamt.
Was den Grenzübertritt zusätzlich verlangsamt.
Folge uns auf Social Media!














