Die Zahlen steigen alarmierend, die Droge wird reiner und billiger: Österreich erlebt eine Kokainschwemme, die immer mehr junge Menschen in den Abgrund reißt.
Der Kokainkonsum in Wien und Österreich verzeichnet einen besorgniserregenden Aufwärtstrend. Messungen im Abwasser belegen einen Anstieg von 20 Prozent zwischen 2022 und 2023. Die Hauptstadt verzeichnete im laufenden Jahr eine Zunahme der Suchtmittel-Delikte um 8,5 Prozent, während österreichweit die kokainbezogenen Vergehen im Vorjahr um mehr als ein Fünftel anstiegen. Besonders alarmierend entwickeln sich die Zahlen in den Einrichtungen des Wiener Gesundheitsverbundes, wo immer häufiger junge Menschen wegen Komplikationen durch Kokainkonsum behandelt werden müssen.
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Stephans Weg in die Kokainabhängigkeit begann in seinen Zwanzigern während seiner Tätigkeit im Nachtleben. In einem Umfeld, in dem Drogenkonsum alltäglich war, griff er nach persönlichen Rückschlägen erstmals zu Kokain. Die anfängliche Euphorie und das gesteigerte Wohlbefinden wichen bald einem eskalierenden Konsum – bis zu einem Gramm täglich. Die Folgen waren verheerend: Seine Beziehung zerbrach, und sein Gesundheitszustand verschlechterte sich rapide.
Globale Kokainschwemme
Die Entwicklung in Österreich spiegelt einen globalen Trend wider. Der UN-Drogenbericht dokumentiert einen dramatischen Anstieg regelmäßiger Kokainkonsumenten weltweit – von 17 Millionen auf 25 Millionen innerhalb einer Dekade. Paradoxerweise steigt die Reinheit der Droge, während ihr Preis sinkt – eine direkte Folge der massiv ausgeweiteten Produktionskapazitäten in Südamerika. Österreich befindet sich inmitten einer regelrechten Kokainschwemme, begleitet von einer steigenden Zahl an Drogentoten.
Stephans Wendepunkt
Die Abwärtsspirale in Stephans Leben beschleunigte sich. Seine Sucht führte zu finanzieller Not und gravierenden gesundheitlichen Problemen. Der Wendepunkt kam mit seiner Entscheidung, professionelle Hilfe im Anton-Proksch-Institut zu suchen und einen Entzug zu beginnen. Heute blickt Stephan auf zwei Jahre ohne Kokain zurück. Er hat seine Schulbildung mit der Matura abgeschlossen und studiert mittlerweile. Um clean zu bleiben, hat er den Kontakt zu Freunden, die weiterhin konsumieren, konsequent abgebrochen.
Am morgigen Tag wird ein Gesundheitspsychologe die gesundheitlichen Risiken und das hohe Suchtpotenzial von Kokain näher erläutern.