Start News Panorama Kosovarische und serbische Verbrecher finden Unterschlupf im „Feindesland“
FEHLENDE KOOPERATION

Kosovarische und serbische Verbrecher finden Unterschlupf im „Feindesland“

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(FOTO: zVg.)

Kosovarische Verbrecher fliehen nach Serbien und ihre serbischen Pendants in den Kosovo und sind so vor der Polizei sicher – Klingt abstrus, ist es auch! Aber warum ist man genau im „Land des Feindes“ vor dem Gesetz sicher? Der Grund ist relativ simpel: eine nicht funktionierende Justizkooperation zwischen den beiden Ländern.

Das Portal Balkan Insight schilderte in seinem Artikel zahlreiche Kriminalfälle, bei welchen Täter sich einfach über die Grenze nach Serbien bzw. in das Kosovo schmuggelten und seither in Sicherheit vor dem Gesetz leben. Nicht selten gehen sie dort weiter illegalen Geschäften nach.

So wird der Fall der kosovarischen Gynäkologin Gjina Zeqiri geschildert, die in Pristina eine Klinik für künstliche Befruchtung leitete. Dort konnten die Patienten außerdem illegaler Weise das Geschlecht des Kindes wählen. Zequiri soll ferner großes Geschäft mit Samen- und Eizellenhandel gemacht haben.

Die Klinik wurde 2014 geschlossen und die Ärztin angeklagt. Zu einer Verhandlung kam es jedoch nie, da sich Zeqiri ziemlich schnell nach Serbien absetzte und dort ihr Business weiterführt. Allerdings soll sie heute „nur“ medizinische Gerätschaften verkaufen und keine illegalen Geschäfte mehr betreiben. Eine Rückkehr in den Kosovo kommt für sie auf keinen Fall in Frage, da sie im „Land des serbischen Feindes“ sicher vor dem kosovarischen Gesetz lebt.

Ähnliches ist auch andersrum zu erleben: Serbien stellt nämlich grundsätzlich keine Auslieferungsbegehren an den Kosovo. Aus serbischer Sicht handelt es sich nämlich bis heute um eine Provinz des eigenen Landes und keinen souveränen Staat, weshalb internationale Rechtsakte unmöglich seien.

Polizisten handelt auf eigenen Faust
Auch wenn die UNO und Eulex bemüht sind, die Justizkooperation zwischen den beiden Staaten zu verbessern und eine Zusammenarbeit zu fördern, so trägt dieses Vorhaben nur selten Früchte.

Nichtsdestotrotz gibt es in Einzelfällen auch filmreife Improvisationen, die albanische und serbische Polizisten gemeinsam an den Tag legen: Zwei Serben, die des Mordes verdächtigt werden, wurden kürzlich in Pristina verhaftet. Einen Anruf in Serbien später, wussten die kosovarischen Einheiten, um wen es sich genau handelt und steckten die zwei Männer mir nichts dir nichts in ein Polizeiauto.

Sie fuhren die Verdächtigten zur serbisch-kosovarischen Grenze und setzten sie im Niemandsland aus. Ihre Freiheit währte jedoch nur kurz, da bereits hinter der nächsten Hecke serbische Polizisten lauerten und die zwei Gesuchten festnahmen.

Mehr zu diesem Thema könnt ihr im Balkan Insight-Artikel lesen: „Serbia-Kosovo Stalemate Allows Fugitives to Stay Free“