Putin dementiert, doch das Verhalten seiner eigenen Beamten erzählt eine andere Geschichte – und Flugtickets werden knapp.
In Russland wächst die Nervosität vor einer möglichen neuen Mobilisierungswelle für den Krieg gegen die Ukraine. Rund um die Staatsduma-Wahl, die vom 18. bis 20. September stattfindet, kursieren Spekulationen über eine bevorstehende Einberufung von bis zu 300.000 zusätzlichen Soldaten. Präsident Wladimir Putin tritt diesen Gerüchten entgegen: Anfang September erklärte er wiederholt, dass es aktuell kein Szenario für eine neue Militärmobilisierung gebe und bezeichnete die entsprechenden Gerüchte als „Informationsangriff“ beziehungsweise „Desinformationskampagne“ im Vorfeld der Staatsduma-Wahl.
Flucht ins Ausland
Bemerkenswert ist dabei, was sich abseits der offiziellen Verlautbarungen beobachten lässt: Kreml-nahe Beamte sollen Freunden und Familienangehörigen empfehlen, das Land zu verlassen. Wie Bloomberg berichtet, versuchen Regierungsbeamte zudem, Vermögen ins Ausland zu transferieren und Konten außerhalb Russlands zu eröffnen.
Parallel dazu hat Russland seine technische Infrastruktur für digitale Einberufungsverfahren ausgebaut. Die Erinnerung an die Mobilisierung vom September 2022, nach der Hunderttausende das Land fluchtartig verlassen hatten, schürt die Ängste erneut. Berichten zufolge sind bereits zahlreiche Männer ausgereist oder haben Flugtickets in Richtung Georgien, Armenien und Serbien erworben.
Sinkende Rekrutierzahlen
Der Personalbedarf der russischen Streitkräfte bleibt strukturell hoch: Schätzungen zufolge benötigt Russland jährlich rund 400.000 neue Soldaten. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Internationale und Sicherheitsangelegenheiten wurden zwischen Jänner und August 2026 rund 234.000 neue Vertragssoldaten angeworben – deutlich weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, in dem die Zahl bei etwa 260.000 lag. Diese Zahlen beruhen auf einer Auswertung regionaler Haushaltsdaten.