Am Essen verdienen die einen, am Abnehmen die anderen: Zwischen Snackregal und Abnehmspritze ist unser Körper längst ein Milliardengeschäft.
Chips, Süßigkeiten, Softdrinks: Mit Produkten, die bei hohem Konsum Übergewicht begünstigen können, machen Lebensmittelkonzerne ihr Geschäft. Für die Pharmaindustrie wiederum ist die Behandlung überschüssiger Kilos ein milliardenschwerer Markt. Die einen verkaufen den schnellen Genuss, die anderen Medikamente gegen den großen Appetit. Dazwischen stehen Menschen, denen jahrelang erklärt wurde, ihr Gewicht sei vor allem eine Frage der Disziplin.
Wenn Essen zum Geschäft mit dem Zuviel wird
Dass bestimmte Lebensmittel das Überessen fördern können, ist wissenschaftlich untersucht. In einer kontrollierten Studie der US-Gesundheitsbehörde NIH mit 20 Erwachsenen nahmen die Teilnehmenden bei stark verarbeiteter Kost täglich rund 500 Kilokalorien mehr zu sich als bei weitgehend unverarbeiteten Mahlzeiten. Innerhalb von zwei Wochen legten sie dabei durchschnittlich rund 0,9 Kilogramm zu. In der Vergleichsphase verloren sie ungefähr ebenso viel Gewicht.
Die kleine Studie macht nicht jedes Fertigprodukt zum Dickmacher. Sie widerspricht aber der bequemen Vorstellung, es komme ausschließlich auf Willenskraft an. Wer Übergewicht nur als persönliches Versagen darstellt, blendet aus, welche Produkte verkauft werden und wie leicht sie uns zum Weiteressen bringen.
Milliarden mit dem Abnehmen
Auf der anderen Seite steht ein Geschäft, das längst mehr als ein Zukunftsversprechen ist. Novo Nordisk meldete für 2025 rund 82 Milliarden dänische Kronen Umsatz mit Adipositasmedikamenten, umgerechnet etwa elf Milliarden Euro. Das ist Umsatz, nicht Gewinn. Die Größenordnung zeigt dennoch: Mit dem Wunsch und der medizinischen Notwendigkeit abzunehmen lässt sich enorm viel Geld verdienen.
Ozempic ist dabei in der EU zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen, nicht als eigentliches Abnehmpräparat. Sein Wirkstoff Semaglutid kann auch das Gewicht senken. Dass solche Medikamente einen echten medizinischen Nutzen haben, widerspricht der Kritik am Geschäft dahinter nicht. Adipositas ist eine komplexe Erkrankung, bei der neben Ernährung auch biologische und soziale Faktoren eine Rolle spielen.
Die Lebensmittelindustrie verdient gleich mit
Besonders bemerkenswert: Selbst beim Abnehmboom will die Lebensmittelindustrie mitkassieren. Nestlé stellte 2024 in den USA die Marke „Vital Pursuit“ vor, deren Mahlzeiten gezielt auch Menschen ansprechen sollen, die Medikamente wie Wegovy oder Ozempic nutzen. Ein Konzern, der Süßwaren und Fertiggerichte verkauft, entdeckt damit auch die Kundschaft mit medikamentös gebremstem Appetit als Zielgruppe.
Das ist kein Beweis für einen gemeinsamen Plan von Lebensmittel- und Pharmakonzernen. Es zeigt aber einen wirtschaftlichen Widerspruch: Sowohl mit kalorienreichen Produkten als auch mit dem Kampf gegen überschüssige Kilos lässt sich Geld verdienen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Warum nehmen wir ein Umfeld hin, das Überessen erleichtert, und feiern anschließend die teure Behandlung seiner Folgen? Wirksame Medikamente können Betroffenen helfen. Eine Ernährungspolitik, die gesundes Essen leichter zugänglich macht, ersetzen sie nicht.