Kroatien stellt seine Mauterhebung auf den Kopf: Ab November 2026 kommt das elektronische System – ohne Vignetten-Option und mit strengen Regeln für Fahrzeugbesitzer.
Das neue elektronische Mautsystem auf kroatischen Autobahnen wird frühestens ab 1. November 2026 eingeführt. Dies geht aus dem Entwurf des Mauterhebungsgesetzes hervor, der kürzlich öffentlich zur Diskussion gestellt wurde. Die kroatische Regierung hat bereits im September 2024 einen Vertrag mit den Unternehmen SkyToll und TollNet abgeschlossen, der eine Implementierung innerhalb von 24 Monaten vorsieht. Ab Ende kommenden Jahres müssen alle Verkehrsteilnehmer auf das elektronische System umsteigen, da die physische Mauterhebung vollständig eingestellt wird. Fahrer leichter Fahrzeuge – darunter Motorräder, Pkw und Transporter bis 3,5 Tonnen – können zwischen Kennzeichenerfassung und ENC-Gerät (elektronisches Mautgerät) wählen. Für Fahrer schwerer Fahrzeuge wird ausschließlich die Zahlung mittels ENC-Gerät möglich sein.
Die Registrierung im System erfordert die Angabe des Kennzeichens, wobei jedes Konto nur ein Fahrzeug umfassen kann. Dies bedeutet das Ende der bisher praktizierten gemeinsamen Nutzung von ETC-Geräten durch mehrere Personen. Sowohl Familien als auch Unternehmen mit mehreren Fahrzeugen müssen künftig jedes Fahrzeug einzeln im elektronischen Mautsystem anmelden.
Vorteile für den Verkehrsfluss
Die vollständige Umstellung auf das digitale System soll den Verkehrsfluss deutlich verbessern und Staus an Mautstationen beseitigen, insbesondere während der Hauptreisezeit. Dies wird österreichischen Urlaubern und anderen Reisenden eine schnellere und stressfreiere Fahrt ermöglichen – ein wichtiger Aspekt für die vielen österreichischen Touristen, die regelmäßig über kroatische Autobahnen an die Adria fahren.
Vignetten-Debatte
Obwohl während der öffentlichen Konsultationsphase wiederholt die Einführung von Vignetten gefordert wurde, hat das kroatische Ministerium für Seefahrt, Verkehr und Infrastruktur diese Option bereits vor längerer Zeit verworfen. Die Behörde vertritt den Standpunkt, dass eine streckenbezogene Abrechnung gerechter sei als ein zeitbasiertes Modell – ungeachtet gegenteiliger Erfahrungen in Nachbarländern. Eine pauschale zeitbasierte Vignette ist laut aktuellen Regierungsangaben definitiv nicht vorgesehen.
Umsetzungsprobleme
Es zeichnet sich jedoch ab, dass nicht alle Konzessionäre rechtzeitig die notwendige Infrastruktur installieren, neue Mautportale errichten und die im Gesetzentwurf vorgesehenen Überwachungssysteme implementieren können. Verzögerungen bei der Umsetzung sind daher wahrscheinlich. Der Gesetzestext stellt ironisch fest, dass in anderen europäischen Ländern wie Slowenien, Österreich, Ungarn oder der Slowakei keine Forderungen nach Abschaffung der Vignetten laut werden, und verweist darauf, dass in Deutschland keine Autobahngebühren für Pkw erhoben werden.
Sowohl Familien als auch Unternehmen mit mehreren Fahrzeugen müssen künftig jedes Fahrzeug einzeln im elektronischen Mautsystem anmelden.