In Graz-Wetzelsdorf machte ein Anwohner einen erschütternden Fund. Auf dem Dach eines Carports entdeckte er den leblosen Körper eines Neugeborenen und alarmierte umgehend die Behörden. Die Polizei konnte nach ersten Ermittlungen die Mutter des Kindes identifizieren.
Bei der Tatverdächtigen handelt es sich um eine 20-jährige Kroatin, die inzwischen ein Geständnis abgelegt hat. Sie gab an, das Neugeborene nach der Entbindung aus einem Fenster geworfen zu haben. Die junge Frau brachte das Kind ohne fremde Hilfe in ihrem Zimmer zur Welt, nachdem sie von der Schwangerschaft und der einsetzenden Geburt völlig überrascht worden war.
Laufende Ermittlungen
Das Landeskriminalamt Steiermark hat die Ermittlungen aufgenommen. Die Beamten müssen nun klären, ob es sich um Mord oder um die Tötung eines Kindes bei der Geburt unter besonderem psychischen Ausnahmezustand handelt. Die 20-Jährige wurde zur medizinischen Nachbetreuung in ein Krankenhaus gebracht und gilt als festgenommen.
Die rechtliche Unterscheidung ist entscheidend: Die Tötung eines Kindes bei oder unmittelbar nach der Geburt ist in Österreich ein eigener Straftatbestand nach § 79 StGB und wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet. Dies liegt deutlich unter dem Strafrahmen für Mord, da der Gesetzgeber die besonderen Umstände der Geburtssituation berücksichtigt.
Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurde das Neugeborene vermutlich aus einem Dachflächenfenster gestoßen und landete auf dem darunter liegenden Carport-Dach, wo es später entdeckt wurde. Die Nachbarschaft zeigt sich von dem tragischen Ereignis tief betroffen.
⇢ Mordalarm in Graz: Totes Baby entdeckt
Hilfe in Notlagen verfügbar
Dabei gäbe es für Frauen in derartigen Notlagen durchaus Auswege: In Graz existiert am Gelände des LKH-Universitätsklinikums eine jederzeit zugängliche Babyklappe bei der Geburtshilflichen Ambulanz. Diese wurde seit 2001 insgesamt sechs Mal genutzt. Zudem bieten alle steirischen Krankenhäuser mit Geburtshilfeabteilungen die Möglichkeit einer anonymen Geburt an, die in den letzten Jahren häufiger in Anspruch genommen wurde.
⇢ Neugeborenes gewaltsam getötet: Mutter festgenommen
Der Vorfall ereignete sich in einem ansonsten ruhigen Wohngebiet, das hauptsächlich von kleineren Mehrparteien- und Einfamilienhäusern geprägt ist.