Ein Hallenfußballturnier, ein Weltmeister und ein Kopfstoß – in Zagreb eskaliert ein Abend auf eine Art, die Schlagzeilen macht.
Beim Hallenfußballturnier der Goat League in Zagreb ist es am Sonntagabend zu einem handfesten Zwischenfall gekommen – mittendrin: Marko Martinjak, Bareknuckle-Boxer (Boxen mit bloßen Fäusten), Weltmeister in der Bridger-Kategorie und kein Unbekannter in den kroatischen Polizeiakten.
Im Finalspiel geriet der 36-Jährige mit dem Spieler Tomislav Mrkonjic aneinander. Was mit einem verbalen Schlagabtausch begann, endete mit einem Kopfstoß: Martinjak traf Mrkonjic am Kopf, der Mann sackte zu Boden – und als wäre das nicht genug, schoss Martinjak ihm noch den Ball in den Rücken. Sein Team wurde daraufhin vom Turnier ausgeschlossen. Mrkonjic musste im Klinischen Krankenhauszentrum Zagreb behandelt werden, wo schwere Verletzungen festgestellt wurden.
Die Polizei rückte noch am selben Abend aus. Der Vorfall hatte sich gegen 21.30 Uhr in Zagreb-Pešćenica, in der Herman-Buzan-Straße, ereignet. Martinjak wurde festgenommen, wegen schwerer Körperverletzung angezeigt und nach Abschluss der kriminalpolizeilichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft übergeben. Für dieses Delikt sieht das kroatische Strafrecht eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren vor.
Martinjaks Erklärung
Auf Facebook meldete sich Martinjak kurz darauf mit Bedauern zu Wort und wünschte Mrkonjic eine rasche Genesung. Gegenüber Medien klang das allerdings etwas anders: Er habe sich nur gewehrt, weil der Gegner ihn und seine Mitspieler ständig provoziert habe. „Zu einem Zeitpunkt stürmten alle seine Leute auf einen unserer Spieler ein – meinen Trauzeugen. Als ich anfing zu schreien, was das soll, kam er mir buchstäblich ins Gesicht und sagte hässliche Dinge. Leider habe ich so reagiert, wie ich reagiert habe – obwohl es eher ein Wegstoßen war als ein richtiger Schlag“, erklärte Martinjak. Später hätten sich beide entschuldigt, beide seien „hitzköpfig“ gewesen – aber er räumte ein, dass seine Reaktion falsch war.
Für jene, die Martinjaks Namen noch nicht kennen: Der Mann hat eine Geschichte. Als Bareknuckle-Boxer gilt er als einer der bekanntesten Kämpfer der Region, trägt den Weltmeistertitel in der Bridger-Kategorie und blickt auf eine professionelle Boxkarriere mit acht Siegen und 28 Niederlagen zurück – von denen er nach eigenen Angaben einige absichtlich verloren hat, um seine Familie finanziell über Wasser zu halten.
Vorstrafen & Gutachten
Weitaus schwerer wiegt jedoch sein Vorstrafenregister. Ende 2018 wurde Martinjak wegen fünf Raubüberfällen sowie eines versuchten Raubüberfalls im Raum Zagreb festgenommen. Er gestand alle Taten und nannte als Motiv Schulden, Drogenabhängigkeit und finanzielle Not. Das Gericht verurteilte ihn rechtskräftig zu vier Jahren Haft, von denen er drei Jahre und vier Monate absaß. In den Jahren danach sprach er mehrfach öffentlich über seine frühere Kokainabhängigkeit, die er direkt mit den Überfällen in Verbindung brachte.
Im Zuge des damaligen Verfahrens wurde auch ein psychiatrisches Gutachten erstellt. Die Sachverständigen diagnostizierten eine spezifische Persönlichkeitsstörung aus dem Bereich der dissozialen Störungen und attestierten ihm emotionale Unreife, Impulsivität, Manipulativität, eine Neigung zu riskantem Verhalten sowie eine niedrige Frustrationstoleranz. Nach seiner Entlassung arbeitete Martinjak als Kellner und Türsteher, kehrte zum Sport zurück und betonte öffentlich, die Haftstrafe habe sein Leben verändert.