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Konfrontation

Mafia-Methoden im Weißen Haus? Trittin rechnet bei Lanz mit Trump ab

Mafia-Methoden im Weißen Haus? Trittin rechnet bei Lanz mit Trump ab
(istockphoto: White House in Washington DC)
4 Min. Lesezeit |

Angesichts der demonstrativen Machtentfaltung Donald Trumps beim Weltwirtschaftsforum in Davos gerät die traditionelle Diplomatie zunehmend in die Defensive. Der ehemalige US-Präsident, dessen Einfluss auf die Weltpolitik ungebrochen scheint, setzt weiterhin auf Dominanzgesten – was die Kritik an seinem Auftreten nicht vereinfacht. In der ZDF-Talkshow von Markus Lanz analysierte der langjährige Grünen-Politiker Jürgen Trittin diese neue geopolitische Realität.

Lanz versuchte, anhand einer Aufnahme vom Weltwirtschaftsgipfel die Symbolik zu entschlüsseln: Bei Trumps Gesprächen seien weder dänische Vertreter noch Repräsentanten Grönlands zu sehen gewesen.

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„Über die Köpfe von Menschen hinweg sagen Leute einfach an, weil sie es können, was sie demnächst vorhaben“, kommentierte der Moderator und fragte Trittin nach seiner Einschätzung, ob die bloße Möglichkeit zum Handeln bereits als Legitimation ausreiche.

Der frühere Bundestagsabgeordnete und grüne Schwergewicht Trittin hält Nachgiebigkeit als Antwort auf Machtdemonstrationen für einen gefährlichen Irrweg. In der Sendung übernahm er gewissermaßen die Rolle, die deutsche Entsprechung zur vielbeachteten Davos-Rede des kanadischen Premierministers Mark Carney zu formulieren – jene Ansprache, die international als längst überfälliges Gegengewicht gewertet wurde.

Carneys klare Ansage

Trittin verwies unmittelbar auf die „Illusionslosigkeit“ in Carneys Ausführungen, die einen deutlichen Kontrapunkt zu Trumps 80-minütigem, mit stehenden Ovationen bedachtem Selbstdarstellungsauftritt bildeten. Während Trump nach dem Motto „Ich kann es, also tue ich es“ agiere, habe Carney dem Ex-Präsidenten nicht den Gefallen getan, ihn zum Mittelpunkt seiner Rede zu machen. Stattdessen kritisierte der Kanadier die Unterwürfigkeit von Trumps Gefolgsleuten und den Mangel an Standfestigkeit jener, die von dessen unverhohlener Machtdemonstration eingeschüchtert werden sollen.

Carney hatte in seiner Rede eine problematische Tendenz vieler Staaten identifiziert, „mitzuschwimmen, sich anzupassen, Ärger zu vermeiden, zu hoffen, dass Gefügigkeit Sicherheit erkauft. Nun, das wird sie nicht.“ Diese international gewürdigte Botschaft aus Davos unterstreicht, dass Unterwürfigkeit und Willfährigkeit die falschen Reaktionen gegenüber Persönlichkeiten sind, die ihre Machtposition für schrankenlos halten und von einem unangemessenen Auftritt zum nächsten eilen.

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Solche Entwicklungen müssten offen thematisiert werden, betonte Trittin bei Lanz, als er auf strukturelle Parallelen hinwies: Trump und Putin verbinde offenkundig die machtpolitische Grundannahme, dass Staaten in ihren jeweiligen Einflusssphären nur eingeschränkte oder gar keine Souveränität besäßen. Diese Länder würden bewusst brüskiert und auf den Status politischer Unmündigkeit reduziert, dem man beliebige Vorgaben machen könne.

Gleichzeitig beobachtet Trittin bei Trump ein charakteristisches Reaktionsmuster auf Widerstand, das einer spontanen, unstrukturierten Rhetorik folgt: Wenn ein solcher improvisierter Vorstoß auf Gegenwehr stoße und „ein Stück weit gegen die Wand gefahren“ werde, interpretiere Trump dies kurzerhand als Erfolg um. Trittin bezeichnete dies als rhetorischen „Mafiastyle“: „Man haut mal kräftig auf den Tisch, und wenn man Gegendruck spürt, erklärt man sich zum Sieger, auch wenn man verloren hat.“ Dies bedeute jedoch keineswegs, dass die ursprünglichen Ansprüche aufgegeben würden – diese könnten „bei nächster Gelegenheit wieder hervorgeholt“ werden.

Mit der ebenfalls in der Sendung anwesenden Politikwissenschaftlerin Jana Puglierin stimmte Trittin darin überein, dass ein herkömmlicher, grundsätzlich auf Verständigung ausgerichteter diplomatischer Ansatz angesichts solch aggressiver Missachtung politischer Umgangsformen anachronistisch geworden sei.

Damit kommentierten beide indirekt den wiederholten Appell des CDU-Politikers Jens Spahn zur „Besonnenheit“ in Davos – eine Position, die bereits am Vortag in derselben Sendung vom Terrorismusexperten Peter Neumann vom King’s College London kritisch beleuchtet worden war, der Trumps Haltung auf die prägnante Formel brachte: „Trump glaubt, es ginge alles.“

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KO KOSMO-Redaktion
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