An der kroatischen Küste hat ein sogenannter Meteotsunami (wetterinduzierte Riesenwelle) innerhalb weniger Minuten zu einem Meeresspiegelanstieg von rund 30 Zentimetern geführt und Teile der Hafenpromenade unter Wasser gesetzt. Personen kamen nach aktuellem Kenntnisstand keine zu Schaden. Rund 20 Minuten nach dem plötzlichen Anstieg zog sich das Wasser wieder zurück – zeitweise sogar unter den gewöhnlichen Pegelstand. Behördliche Meldungen über nennenswerte Sachschäden blieben zunächst aus.
Panik auf der Promenade
Berichte von Augenzeugen zufolge habe die Situation zu Beginn keinerlei Anzeichen für das bevorstehende Ereignis gezeigt. Nach einem kurzen Gewitter am Morgen sei der Meeresspiegel innerhalb von Sekunden sprunghaft gestiegen. Gäste in den Gastronomiebetrieben sahen sich gezwungen, ihre Plätze zu räumen, während das Personal hastig versuchte, Mobiliar vor dem eindringenden Wasser zu retten.
In sozialen Netzwerken kursierende Videoaufnahmen zeigen, wie Wassermassen über die Promenade strömen und dabei Tische und Stühle mitreißen. „Wir saßen beim Kaffee, als das Meer innerhalb von Sekunden stieg und die gesamte Riva überflutete. Die Menschen flohen, die Gastronomen räumten Tische – es herrschte Panik“, schildert ein Augenzeuge gegenüber Jutarnji list.
Meteotsunami u Malom Lošinju upravo. 😯
Video: Sandro Puncet pic.twitter.com/MVkKXNEcG0— Neverin (@neverinhr) July 20, 2026
Bekanntes Phänomen
Im Unterschied zu einem gewöhnlichen Tsunami geht ein Meteotsunami nicht auf seismische Aktivität zurück. Auslöser sind vielmehr plötzliche Schwankungen des Luftdrucks, die typischerweise im Zusammenhang mit Gewittern entstehen. Treffen solche Druckveränderungen auf flache Buchten oder eng gefasste Hafenbecken, können sich die resultierenden Wellen durch Resonanzeffekte erheblich aufschaukeln.
Entlang der kroatischen Küste ist das Phänomen unter den Bezeichnungen Šćiga oder Seš geläufig und tritt in unregelmäßigen Abständen auf. Als besonders gefährdet gelten Orte wie Mali Lošinj, Stari Grad oder Vela Luka, deren Hafengeometrie die Wellenbildung begünstigt. In Vela Luka wurde das Phänomen bereits 1978 in außergewöhnlicher Intensität dokumentiert – damals wurden Wellenhöhen von etwa sechs Metern gemessen.
Fachleute aus der Meteorologie betonen, dass Meteotsunamis trotz des heutigen Stands der Wettermodellierung kaum zuverlässig vorherzusagen sind. Gewitter und Luftdruckschwankungen lassen sich zwar erfassen, doch die konkrete Entstehung solcher Wellen hängt von kleinräumigen atmosphärischen und ozeanografischen Wechselwirkungen ab, die sich mit den derzeit verfügbaren Methoden nur bedingt prognostizieren lassen.
POTOP U MALOM LOŠINJU Riva poplavila, nastala panika, more se diglo u nekoliko sekundi! Grad: "Ljudi su se već navikli"👇https://t.co/DfhKmGn2qK pic.twitter.com/pAP0qQc65t
— Morski.hr (@Morski_hr) July 20, 2026