Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Kriegspropaganda

Millionen registrieren sich für iranisches „Selbstopferungs“-Programm

Millionen registrieren sich für iranisches „Selbstopferungs“-Programm
FOTO: EPA/ABEDIN TAHERKENAREH
3 Min. Lesezeit |

Hochzeiten auf Militärfahrzeugen, Millionen Freiwillige – der Iran inszeniert seinen Kriegszustand mit ungewöhnlichen Bildern.

Im Iran existiert ein staatlich organisiertes sogenanntes „Selbstopferungs“-Programm, in dessen Rahmen sich Freiwillige dazu bereit erklären, im Kriegsfall ihr Leben für das Land zu geben – unter anderem durch die Beteiligung an Menschenketten zum Schutz von Kraftwerken. Nach Angaben des iranischen Staatsenders Irib haben sich bis Mitte April 2026 mehr als 26 Millionen Menschen für die militärische Dienstkampagne „Leben opfern“ registriert, wobei diese Zahl nach übereinstimmenden Medienberichten nicht unabhängig überprüft werden kann. Zu den Eingetragenen zählen dem Vernehmen nach auch Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf sowie Präsident Masoud Pezeshkian.

Massentrauungen in Teheran

Am Montag wurden in diesem Zusammenhang Massentrauungen für 110 Paare abgehalten, die sich für das Programm registriert hatten. Die Zeremonien fanden in Teheran statt und wurden im Staatsfernsehen übertragen. Berichten zufolge trafen die Paare in geschmückten Militärfahrzeugen, auf denen Waffen zu sehen waren, am Imam-Hussein-Platz in Teheran ein, wo sie anschließend von Geistlichen auf einer Bühne getraut wurden.

Im Hintergrund war ein Porträt des Obersten Führers des Iran, Mojtaba Khamenei, zu sehen – dessen Vater Ayatollah Ali Khamenei zu Beginn des Iran-Krieges bei einem Angriff ums Leben gekommen war. Zahlreiche Zuschauer mit Blumen in den Händen verfolgten die Feierlichkeiten. „Natürlich befindet sich das Land im Krieg, aber die jungen Leute haben auch das Recht zu heiraten“, sagte eine junge Frau im Brautkleid. Ein Bräutigam erklärte, er sei froh darüber, dass die Hochzeit mit dem Jahrestag der Trauung des Imams Ali mit Fatima, der Tochter des Propheten Mohammed, zusammenfalle.

Verschobener Angriff

Für den heutigen Dienstag war ein Militärangriff auf den Iran geplant gewesen. Laut US-Präsident Donald Trump wurde dieser jedoch aufgrund „sehr positiver Entwicklungen“ in den laufenden Verhandlungen verschoben. Das katarische Außenministerium bekräftigte seinerseits, weiterhin auf den unter pakistanischer Vermittlung geführten Verhandlungsprozess zu setzen – dieser benötige allerdings noch mehr Zeit, wie Sprecher Majid al-Ansari ergänzte. „Wir wollen die Menschen in der Region davor schützen, die Hauptverlierer einer Eskalation zu sein.“

Die iranische Führung richtete unterdessen eine unmissverständliche Warnung an die USA: Sollten die Angriffe wieder aufgenommen werden, werde man neue Fronten eröffnen. „Wenn der Feind dumm genug ist, (…) neue Aggressionen gegen unseren geliebten Iran zu starten, werden wir mit neuer Ausrüstung und neuen Methoden neue Fronten gegen ihn eröffnen“, erklärte Militärsprecher Mohammed Akraminia am Dienstag.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen