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Personalmangel

Mörder bleiben unentdeckt: Hälfte aller Gerichtsmediziner geht in Pension

Mörder bleiben unentdeckt: Hälfte aller Gerichtsmediziner geht in Pension
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3 Min. Lesezeit |

Nur 37 Fachärzte, ein Gutachten dauert bis zu 152 Tage – Österreichs Gerichtsmedizin steht vor dem Kollaps.

Österreichs Gerichtsmedizin befindet sich in einer tiefgreifenden strukturellen Krise. Personalmangel, eine alternde Fachärzteschaft, fehlender Nachwuchs und chronisch knappe Budgets gefährden zunehmend die Aufklärung von Gewaltverbrechen. Fachleute sehen darin ein ernstes Risiko für die Rechtssicherheit im Land.

Ärztekammer-Präsident Johannes Steinhart macht dafür eine jahrzehntelange politische Vernachlässigung verantwortlich: „Über Jahrzehnte sei die Gerichtsmedizin schrittweise demontiert worden.“ Die Folgen sind erhebliche Verzögerungen bei forensischen Untersuchungen – in einzelnen Fällen ist eine vollständige Aufklärung mittlerweile kaum noch möglich.

Alarmierende Wartezeiten

Besonders gravierend ist der Befund zur systematischen Vernachlässigung der Institute und der Nachwuchsförderung. Steinhart formuliert es unmissverständlich: „Die Institute und vor allem die Ausbildung wurden konsequent ausgehungert.“ Ein aktuell vorliegender Rechnungshofbericht untermauert diese Einschätzung mit konkreten Zahlen: In Wien liegt die durchschnittliche Bearbeitungszeit für ein Obduktionsgutachten bei 152 Tagen, in Graz bei 77 Tagen.

Hinzu kommt, dass in vielen Einrichtungen die gesamte Arbeitslast an einzelnen Personen hängt – fällt jemand aus, droht der Betrieb vollständig zum Erliegen zu kommen. Mario Darok, Präsident der Gesellschaft für Gerichtliche Medizin, legt die Dimension des Problems offen: Österreichweit sind lediglich 37 Fachärzte in diesem Bereich tätig, ihr Durchschnittsalter liegt bei über 53 Jahren. In den kommenden zehn Jahren wird die Hälfte dieser Spezialisten in den Ruhestand gehen, während unter den Unter-35-Jährigen derzeit nur ein einziger Gerichtsmediziner aktiv ist.

Blick nach Italien

Gleichzeitig wächst der Druck auf die Branche, da Gewaltambulanzen stetig mehr Fälle verzeichnen. Die Ausbildung zum Gerichtsmediziner ist ausschließlich an universitären Instituten möglich, die jedoch selbst unter erheblichem Ressourcenmangel leiden. Darok fordert daher eine strukturelle Verbesserung der Ausbildungskapazitäten, die in enger Abstimmung mit den Bundesländern entwickelt werden müsse.

Ein Blick nach Italien verdeutlicht, wie ein funktionierendes System aussehen kann: Am Institut in Bari werden 45 angehende Gerichtsmediziner von zwölf Fachärzten betreut; in Pavia kommen auf eine Stadt mit rund 71.000 Einwohnern 34 Nachwuchskräfte in Ausbildung. Unter Experten besteht Einigkeit darüber, dass unverzügliches Handeln unausweichlich ist. Mehr Ausbildungsplätze, eine solide Finanzierungsbasis sowie die internationale Anerkennung österreichischer Abschlüsse werden als zentrale Hebel zur Krisenentschärfung genannt.

Steinhart bringt die Dringlichkeit auf den Punkt: „Wir müssen jetzt handeln, um den Kollaps der forensisch-medizinischen Begutachtung in Österreich abzuwenden.“

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KO KOSMO-Redaktion
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