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Morgen-Sport ohne Frühstück: Fett-Killer oder Mythos?

Morgen-Sport ohne Frühstück: Fett-Killer oder Mythos?
FOTO: iStock/fizkes
5 Min. Lesezeit |

Nüchtern trainieren, mehr Fett verbrennen – klingt logisch. Doch was die Wissenschaft dazu sagt, überrascht selbst Sportbegeisterte.

Viele Sportbegeisterte schwören darauf, morgens noch vor dem Frühstück ins Training zu gehen – doch was steckt physiologisch wirklich dahinter?

Die Grundidee ist denkbar einfach: Wer seit dem Vorabend nichts gegessen hat, bringt den Körper beim Laufen, Gehen oder Krafttraining dazu, stärker auf seine Energiereserven zurückzugreifen. Physiologisch ist daran durchaus etwas Wahres: Nach einer nächtlichen Fastenphase sinkt der Insulinspiegel, unmittelbar verfügbare Energie aus der Nahrung fehlt – und der Körper greift beim Sport verstärkt auf gespeicherte Fette zurück.

„Allerdings muss man klar zwischen dem unterscheiden, was akut während des Trainings passiert, und dem, was langfristig wirklich zählt“, erklärt Nicholas Tiller, Co-Autor einschlägiger Studien und Forschungsmitarbeiter am Lundquist Institute im Harbor-UCLA Medical Center, gegenüber National Geographic. Zwar verändere Training auf nüchternen Magen die Art und Weise, wie der Körper Energie beim Sport nutze – doch die kurzfristige Physiologie sei deutlich klarer als die langfristigen Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit.

Körper im Fastenzustand

Nach einer acht- bis zwölfstündigen Nachtruhe ohne Nahrungsaufnahme befindet sich der Organismus in einem anderen Zustand als nach einer Mahlzeit. Der Insulinspiegel – also jenes Hormon, das bei der Speicherung und Verwertung von Kalorien eine zentrale Rolle spielt – ist abgesunken. Gleichzeitig sind die Leberglykogenspeicher, die den Blutzucker stabil halten, teilweise aufgebraucht. Sinken diese Reserven, steht weniger Glukose zur Verfügung, um den Blutzucker während des Trainings aufrechtzuerhalten – er fällt entsprechend ab.

All diese Faktoren beeinflussen gemeinsam, wie der Körper mit körperlicher Belastung umgeht: Die Abhängigkeit von Fett als Energiequelle steigt im Vergleich zum gesättigten Zustand. Zusätzlich werden während des Trainings Hormone wie Adrenalin und Wachstumshormon ausgeschüttet.

„Ein niedrigerer Insulinspiegel kann die körpereigene Reaktion auf diese Hormone verstärken und dadurch die Verfügbarkeit von Fettsäuren als Brennstoff erhöhen“, erklärt Shuhao Lin, Ernährungswissenschaftler und Trainingsphysiologe an der Mayo Clinic. Das könne zusätzlich Fett aus den Depots mobilisieren, das dann während des Trainings als Energie verwertet wird.

Wie ausgeprägt diese Effekte ausfallen, hängt allerdings auch vom Trainingsumfang ab. „Bei niedriger Intensität neigt der Körper dazu, mehr Fett zu verbrennen. Je höher die Belastung wird, desto stärker greift er jedoch auf gespeicherte Kohlenhydrate – also Glykogen – zurück„, erläutert Brad Schoenfeld, Professor für Trainingswissenschaft am Lehman College in New York.

Belegte Effekte

Trotz der weit verbreiteten Beliebtheit dieser Methode sind nur wenige ihrer vermeintlichen Vorteile durch Studien konsistent belegt – und selbst jene, die es sind, kommen mit Einschränkungen.

Der am besten dokumentierte Effekt ist eine erhöhte Fettverbrennung während des Trainings selbst. Im Fastenzustand führt der niedrigere Insulinspiegel zu einer höheren Lipolyserate – also einem verstärkten Abbau von Fett zur Energiegewinnung, wie Tiller erklärt. Er veranschaulicht das mit dem Bild zweier Treibstofftanks: einem leicht zugänglichen, der kürzlich aufgenommene Nahrung enthält, und einem Reservetank mit gespeichertem Fett.

„Training auf nüchternen Magen leert gewissermaßen den ersten Tank und zwingt den Körper, auf die Reservequelle zurückzugreifen“, sagt er. Die Fettoxidation – also der Prozess, bei dem Fett als Brennstoff genutzt wird – steigt an und liefert einen größeren Anteil der Energie, die die Muskeln während der Belastung benötigen.

Studien aus den Jahren 2024 und 2025 bestätigen, dass die Fettoxidationsrate höher ausfällt, wenn dieselbe Trainingseinheit nüchtern absolviert wird, verglichen mit einer Einheit nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit.

Eine höhere Fettverbrennung während des Sports bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass insgesamt mehr Körperfett abgebaut wird. Der Grund: Der Körper kann diesen Effekt später kompensieren, indem er in Ruhephasen weniger Fett verbrennt oder das Hungergefühl steigert. Der tatsächliche Fettverlust hängt damit nach wie vor in erster Linie von der Gesamtkalorienbilanz ab.

Es gibt zudem Hinweise darauf, dass Training vor dem Essen die Insulinsensitivität stärker verbessert als Sport nach einer Mahlzeit – vermutlich, weil Bewegung bei niedrigem Insulinspiegel den Muskeln hilft, Zucker aus dem Blut effizienter aufzunehmen.

Untersucht wurde auch, ob nüchternes Training die sogenannte metabolische Flexibilität fördert – also die Fähigkeit des Körpers, je nach Verfügbarkeit zwischen Fett- und Kohlenhydratverbrennung zu wechseln. Obwohl dies die Stoffwechselgesundheit grundsätzlich unterstützen kann, bleibt die praktische Relevanz dieses Effekts bislang unklar.

Während das Training auf nüchternen Magen die Energiebereitstellung tatsächlich beeinflusst, halten mehrere populäre Behauptungen einer näheren Betrachtung nicht stand. So wird etwa argumentiert, morgendliches Nüchterntraining verbessere den zirkadianen Rhythmus – also die innere Uhr des Körpers, die Schlaf, Hormone und Leistungsfähigkeit steuert. Lin räumt zwar ein, dass Muskeln eigene innere Uhren besitzen, doch belastbare Belege dafür, dass Nüchterntraining diese wesentlich beeinflusst, fehlen.

Ähnlich verhält es sich mit Behauptungen über gesteigertes Muskelwachstum oder verbesserte sportliche Leistungsfähigkeit – auch diese sind wissenschaftlich nicht hinreichend untermauert.

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KO KOSMO-Redaktion
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