Dreijährige Ermittlungen, Europol, Interpol – und jetzt schlägt die Polizei zu. Tschechiens Fußball erlebt seinen bisher dunkelsten Tag.
Die tschechische Polizei hat im Kampf gegen Korruption im Fußball eine Razzia beispiellosen Ausmaßes durchgeführt. Zuerst hatte das Nachrichtenportal „iSport.cz“ über den Fall berichtet und sprach dabei von der „größten Polizeirazzia in der Geschichte des tschechischen Fußballs“. Mehrere Dutzend Personen wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen, wie ein Vertreter der Staatsanwaltschaft mitteilte.
Parallel dazu fanden Hausdurchsuchungen an verschiedenen Standorten sowie Vernehmungen der Verdächtigen statt. Im Zentrum der Ermittlungen stehen der Verdacht auf Spielmanipulation und Wettbetrug. Mehr als 40 Spieler, Funktionäre, Schiedsrichter und Vereinsvertreter sollen in den Skandal verwickelt sein – ligaübergreifend von der vierten bis hinauf in die erste Spielklasse.
Dreijährige Ermittlungen
Auch der Nachwuchsbereich bleibt von den Vorwürfen nicht verschont. Der Razzia gingen dreijährige Ermittlungen voraus, die in enger Kooperation mit Europol und Interpol geführt wurden. Die verdächtigen Partien sollen sich auf den Zeitraum ab dem Jahr 2023 erstrecken.
Das Ausmaß des Problems zeigt sich in internationalen Vergleichszahlen: Tschechien belegt im Ranking der Länder mit den meisten manipulierten Spielen den zweiten Platz – allein im vergangenen Jahr wurden 67 Spiele als verdächtig eingestuft.
Verbands-Reaktion
Der tschechische Fußballverband FACR berief daraufhin eine außerordentliche Vorstandssitzung ein. Verbandspräsident David Trunda erklärte im Anschluss, man habe von Beginn an eng mit den Ermittlungsbehörden zusammengearbeitet. Die Ethikkommission leitete 47 Disziplinarverfahren ein.
„Ich tue alles, damit die Wettmafia aus dem Umfeld des tschechischen Sports verschwindet“, betonte Trunda. Der Verband FACR vertritt rund 250.000 Sportler aus etwa 3.500 Vereinen in Tschechien.