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Energiepreisschock

Netzkosten explodieren: Gasthaus-Betreiber kämpft ums Überleben

Netzkosten explodieren: Gasthaus-Betreiber kämpft ums Überleben
(istockfoto: Stromkosten)
4 Min. Lesezeit |

Während Politiker sinkende Strompreise feiern, kämpft Gastronom Helmut Preiser mit explodierenden Netzkosten. Seine Existenz steht auf dem Spiel.

Helmut Preiser aus Lichtenau im Waldviertel (Bezirk Krems-Land) bezeichnet seine aktuelle Lage als „blanker Horror“. Der Gastronom hat seinen täglichen Betrieb bereits 2017 aufgegeben und konzentrierte sich seither auf hochwertige Wirtshausküche zu moderaten Preisen an Wochenenden. Doch dieses Geschäftsmodell gerät 2026 zunehmend unter Druck. Die Pandemie hat das Ausgehverhalten grundlegend verändert, und Personalmangel verschärft die Situation. Als Reaktion darauf haben Preiser und seine Frau auf Event-Gastronomie umgesattelt. Ihr Landgasthaus bietet nun jeden Sonntag drei Menükreationen unter dem Konzept „Einfach gut essen“ an.

In Österreich sind neun verschiedene Landesnetzbetreiber für die Festlegung der Netztarife verantwortlich, welche anschließend von der E-Control als Kontrollbehörde überprüft und genehmigt werden müssen. Laut E-Control stiegen die Stromnetzentgelte für einen durchschnittlichen österreichischen Haushalt zum Jänneranfang um etwa 1,3 Prozent. Die regionalen Unterschiede fallen jedoch erheblich aus. Während Verbraucher in Wien, Salzburg, Vorarlberg, der Steiermark und Kärnten von sinkenden Netzkosten profitieren, müssen Haushalte in Niederösterreich durchschnittlich 7 Prozent mehr zahlen. Für manche Verbraucher fällt die Belastung sogar noch deutlicher aus.

Existenzbedrohende Netzkosten

Der 66-jährige Gastronom Preiser prangert den Widerspruch zwischen politischen Zusagen zur Reduzierung der Energiekosten und den tatsächlich steigenden Netzkosten an, die seine wirtschaftliche Existenz bedrohen. „Die zahlreichen Insolvenzen im Gastgewerbe überraschen mich nicht“, erklärt er. „Die Regierung rühmt sich, dass auf ihren Druck hin endlich die Strompreise gesenkt werden, aber gleichzeitig sind die Netzkosten regelrecht explodiert.“ Wenn ich für einen Monat 2.000 Euro Stromkosten zahle, wovon etwa 1.000 Euro auf Netzkosten entfallen, dann ist das eine Verhöhnung der Bevölkerung.“

Die EVN-Tochter Netz Niederösterreich GmbH erklärt dazu: „Es mag zunächst widersprüchlich erscheinen: Trotz geringerem Verbrauch steigen die Netznutzungsentgelte.“ Unternehmenssprecher Michael Kovarik bestätigt gegenüber „Heute“ die Erhöhung der Netznutzungsentgelte in Niederösterreich seit Jänner, verweist jedoch auf den regulierten Markt mit Zielvorgaben durch die E-Control: „Hauptursache ist vor allem der Ausbau erneuerbarer Energien und deren Netzanschluss.“ Allein im Jahr 2025 wurden in Niederösterreich 520 Millionen Euro in den Ausbau der Stromnetze investiert.

Der Übergang zu erneuerbaren Energien erfordere gemeinsame Anstrengungen: „Als Netzbetreiber stehen wir vor der Herausforderung, die Infrastruktur zukunftssicher umzugestalten. Die aktuell notwendigen Investitionen sichern den Wirtschaftsstandort Niederösterreich und erhalten damit die Lebensqualität der Bevölkerung.“

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Politische Reaktionen

Preiser zeigt sich von diesen Erklärungen unbeeindruckt: „Meine Rechnungen belegen, dass die Netzgebühr inzwischen fast so hoch ist wie der eigentliche Strompreis. Dabei zahle ich einen günstigen Verbrauchspreis von nur etwa 11 Cent pro Kilowattstunde. Insgesamt belaufen sich meine Kosten aber auf fast das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr“, beklagt Preiser. „Das gefährdet die Existenz meines kleinen Betriebs! Wo bleibt die Unterstützung durch den Wirtschaftsminister?“

Mit seiner Kritik zielt der Gastronom auf ÖVP-Politiker Wolfgang Hattmannsdorfer ab, der Anfang Februar verkündete, dass ein Anbieterwechsel die Energiekosten deutlich senken könne. Hattmannsdorfer formulierte es so: „Der Wettbewerb nimmt an Fahrt auf und wirkt preisdämpfend.“ Ende des vergangenen Jahres hatte er gemeinsam mit Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner das neue Strommarktgesetz beworben – mit dem Slogan „Laune rauf, Stromkosten runter“.

Die Selbstbeweihräucherung setzt sich auch 2026 fort: In der vergangenen Woche feierte Hattmannsdorfer in einem Facebook-Beitrag die Inflationsrate von zwei Prozent: „Energie ist nicht mehr Preistreiber, sondern dämpft die Teuerung. Unsere Maßnahmen wirken – messbar und spürbar.“ Für Helmut Preiser bietet das keinen Trost. Selbst wenn künftige Preissteigerungen moderater ausfallen sollten, verharren die Preise nach den inflationären Monaten auf einem dauerhaft hohen Niveau.

Zu den gestiegenen Netzkosten vermisst er jegliche Stellungnahme: „Wo bleibt der öffentliche Protest?“, fragt der 66-Jährige in Richtung Wirtschaftskammer Niederösterreich.

„Unsere Interessenvertretung muss hier in die Pflicht genommen werden. Sind ihr die Unternehmer gleichgültig? Angesichts der vielen Insolvenzen der vergangenen Jahre muss man das fast annehmen.“