Start News Panorama Neuer Hoffnungsträger: Methadon bekämpft wirksam Tumorzellen
KREBSFORSCHUNG

Neuer Hoffnungsträger: Methadon bekämpft wirksam Tumorzellen

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Jährlich erkranken rund 39.000 Österreicher an Krebs. Meist ist die Krankheit so aggressiv, dass keine Heilung in Sicht ist. Nun könnte sich das Blatt wenden, denn durch eine Berichterstattung des deutschen TV-Formats stern TV wurden tausende Zuschauer auf den Wirkstoff Methadon aufmerksam. Laut Erfahrungsberichten soll das Schmerzmittel effektiv Krebszellen zerstören.

Methadon, welches oftmals in Drogenersatztherapien angewendet wird, könnte die letzte Rettung für schwerkranke Krebspatienten darstellen. Der Wirkstoff ist in der Lage Tumorzellen zu zerstören, die selbst durch starke Chemotherapeutika nicht aufzuhalten sind. Methadon haftet sich an die erkrankte Zelle und sorgt dafür, dass weitere Schleusen geöffnet werden, sodass das Chemotherapeutikum in die Zelle eindringen kann, um sie unschädlich zu machen.

Kein Therapieersatz
Während bereits viele Patienten auf die starke Heilung des Schmerzmittels schwören, so verbreitet sich auch große Skepsis unter den Ärzten. Es fehlen weiterhin Studien, die die positive Wirkung von Methadon belegen und somit grünes Licht für die Verwendung in der Krebstherapie freigeben. Die Entdeckerin des Krebs-Wundermittels war Dr. Claudia Friesen von der Ulmer Universität. Vor rund zehn Jahren hatte die Ärztin herausgefunden, dass Leukämiezellen unter der Einwirkung von Methadon sterben. Friesen machte jedoch klar, dass das Schmerzmittel lediglich als Wirkverstärker der Chemotherapie und nicht als Ersatz diene.

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Boykott der Pharmaindustrie
Doch Kritiker stellen sich gegen die Anwendung des Schmerzmittels und appellieren an Krebserkrankte, die Erfahrungsberichte anderer Patienten kritisch zu betrachten. Denn um Methadon grundsätzlich in die Krebstherapie einzusetzen, fehle es laut der Ulmer Universität an nachweisbaren Forschungsergebnissen von Dr. Friesen. Befürworter der Methadon-Therapie werfen der Pharmaindustrie eine eigennützige Unterbindung der Erforschung des Wirkstoffs vor.

Versteckte Abhängigkeit
Dass das Suchtpotential von Methadon das von Heroin und Morphium um ein Vielfaches übersteigt und der Entzug meist dreimal so lang dauern kann, ist nur den wenigsten bekannt. Die einjährige Entwöhnungsphase kann von unzähligen Nebenwirkungen begleitet werden. Trotz des fraglichen Erfolges von Methadon in der Krebsforschung verkündete die Deutsche Krebsgesellschaft, dass Anfang Juni eine Studie zu Methadon bei Hirntumorpatienten beantragt wurde. Wird dem Start der Untersuchung rechtzeitig stattgegeben, so sollten innerhalb von drei Jahren seröse Ergebnisse für den Therapieeinsatz vorliegen.