Starke Handelszahlen, aber wachsender Druck: Österreichs Wirtschaft und Ungarn sind eng verflochten – mit Licht und Schatten.
Wenige Wochen vor der ungarischen Parlamentswahl am 12. April zeichnet sich für österreichische Unternehmen ein wirtschaftlich zweischneidiges Bild ab. Die heimischen Ausfuhren in das Nachbarland legten im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent auf mehr als 7 Milliarden Euro zu. Ungarn nimmt damit im globalen Vergleich den siebten Platz unter Österreichs wichtigsten Exportmärkten ein, während Österreich seinerseits für Ungarn den viertbedeutendsten Handelspartner darstellt.
Gemessen an seinen Niederlassungen vor Ort ist Österreich in Ungarn nach Deutschland der zweitgrößte ausländische Investor. Das ungarische Bruttoinlandsprodukt wuchs 2025 mit lediglich 0,3 Prozent deutlich schwächer als erwartet und setzte damit den anhaltenden Stagnationstrend fort. Zuwächse im Dienstleistungsbereich und im Tourismus standen einer schwächelnden Industrie gegenüber.
Automotive als Triebfeder
Ausbleibende EU-Mittel, ein volatiler Forint sowie Rückgänge im Automobil- und Batteriesektor dämpften die Konjunktur. Zuletzt seien jedoch positive Signale aus dem Automotive-Bereich zu verzeichnen gewesen, von denen auch österreichische Zulieferer profitierten, erklärt der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Budapest, Philipp Schramel. Im vergangenen Jahr nahm ein BMW-Werk in Debrecen seinen Betrieb auf, BYD baut derzeit eine Produktionsstätte in Szeged, und Mercedes plant die Fertigung seiner A-Klasse in Kecskemét.
Schramel: „Die Automobilindustrie und ihre Zulieferersektoren sind nach wie vor die Triebfedern der ungarischen Wirtschaft.“ Auf den Sektor entfallen rund 30 Prozent der industriellen Wertschöpfung des Landes. Eine Umfrage der Wirtschaftskammer unter österreichischen Niederlassungen in Ungarn ergibt ein Stimmungsbild, das von verhaltenem Optimismus geprägt ist.
Mehr als jedes zweite befragte Unternehmen rechnet mit einem Umsatzanstieg, 42 Prozent erwarten eine Belebung ihrer Auftragslage. Zu den wichtigsten Exportgütern des Vorjahres zählten Maschinen, Kunststoffe sowie Eisen und Stahl. „Das Export- und Auftragsvolumen der österreichischen Niederlassungen ist trotz des schwierigen Umfelds hoch“, so Schramel. „Gleichzeitig steigt der Aufwand für die Unternehmen deutlich, um dieses Niveau zu halten.“
Regulatorische Belastungen
Für ausländische Unternehmen wird das regulatorische Umfeld in Ungarn zunehmend zur Belastungsprobe. Zwar lockt das Land internationale Investoren mit dem EU-weit niedrigsten Körperschaftsteuersatz von 9 Prozent. Zugleich finanziert der Staat einen erheblichen Teil seiner Einnahmen über branchenspezifische Sonderabgaben, mit denen inflationsdämpfende Maßnahmen gegenfinanziert werden.
Besonders betroffen sind der Energiesektor, Banken, große Handelsketten, die Telekommunikationsbranche und Fluggesellschaften. Schramel wertet dies als „klaren Wettbewerbsnachteil“ und spricht sich für langfristig abgestimmte, europäische Lösungen zugunsten fairer Wettbewerbsbedingungen aus. 81 Prozent der österreichischen Töchter wünschen sich mehr wirtschaftspolitische Planbarkeit, 73 Prozent bemängeln die Rechtssicherheit und 49 Prozent kritisieren den bürokratischen Aufwand.
Mit Blick auf die kommenden Jahre setzen die Betriebe auf ein Ende der europäischen Förderblockade. Sollten die derzeit einbehaltenen EU-Mittel wieder freigegeben werden, erwartet die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) Impulse für die Bauwirtschaft und den Ausbau der Infrastruktur, von denen auch heimische Unternehmen profitieren könnten. Im Jänner 2025 waren laut Daten des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger knapp 130.000 ungarische Staatsbürger in Österreich beschäftigt.
Auf der anderen Seite beklagen die rund 1.400 österreichischen Auslandstöchter regulatorische Hürden, bürokratische Belastungen und mangelnde Rechtssicherheit, wie die WKÖ festhält.