Explosionen über Kabul, Angriffe auf Kandahar – zwischen Pakistan und den Taliban eskaliert ein jahrelanger Konflikt in einer einzigen Nacht.
Die pakistanische Regierung hat in der Nacht auf Freitag gegenüber der Taliban-Regierung in Kabul den „offenen Krieg“ ausgerufen. „Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht offener Krieg zwischen uns und euch“, schrieb Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif (76) auf der Plattform X. Informationsminister Attaullah Tarar (39) bestätigte die Attacken in Kabul, Kandahar und der Provinz Paktia ebenfalls über X.
Innenminister Mohsin Naqvi (47) bezeichnete die Schläge als „angemessene Reaktion“ auf die „offene Aggression“ der Taliban. Den unmittelbaren Auslöser lieferten Ereignisse vom Donnerstag: Laut Taliban-Angaben hatten afghanische Streitkräfte eine „breit angelegte“ Offensive gegen pakistanische Militäreinrichtungen im Grenzgebiet eingeleitet. Dabei seien 15 Außenposten der pakistanischen Armee eingenommen, „dutzende“ Soldaten getötet sowie weitere verwundet oder gefangengenommen worden. Das afghanische Verteidigungsministerium sprach von 55 getöteten pakistanischen Soldaten.
Eskalation im Grenzgebiet
Islamabad wirft den Taliban seit Längerem vor, nicht gegen militante Gruppen vorzugehen, die von afghanischem Boden aus Anschläge auf pakistanischem Territorium verüben. Das Grenzgebiet zwischen beiden Ländern ist seit Jahren ein Schauplatz wiederkehrender Gewalt. Seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 haben sich die Spannungen kontinuierlich verschärft – allein im vergangenen Oktober forderten einwöchige Gefechte in der Region mehr als 70 Todesopfer und Hunderte Verletzte.
AFP-Reporter berichteten aus Kabul von lauten Explosionen und Schussgeräuschen, die sich über mehr als zwei Stunden erstreckten. In Kandahar, dem politischen Machtzentrum von Taliban-Anführer Hibatullah Achundsada, nahm ein AFP-Journalist Flugzeuge am Himmel wahr.
Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid bestätigte die Angriffe, erklärte jedoch, es habe keine Verletzten gegeben.