Pfandsystem in Österreich: Während Umweltschützer jubeln und Flaschensammler profitieren, wachsen bei vielen Konsumenten Frust und Ungeduld an überfüllten Rückgabeautomaten.
Seit Anfang des Jahres müssen österreichische Konsumenten für Plastikflaschen und Aludosen einen Pfand von 25 Cent entrichten, der bei Rückgabe in speziellen Automaten im Supermarkt zurückerstattet wird. Das neue Einwegpfandsystem erfasst alle geschlossenen Getränkeverpackungen aus Kunststoff oder Metall mit einem Volumen zwischen 0,1 und 3 Litern. Was für umweltbewusste Verbraucher als sinnvolle Maßnahme erscheint und für Flaschensammler sogar eine Einnahmequelle darstellt, führt im Alltag jedoch zu Herausforderungen. Die strengen Vorgaben erlauben nur die Rücknahme unbeschädigter Behältnisse mit österreichischem Pfandlogo und intaktem Barcode.
Das System verfolgt ehrgeizige Umweltziele: bis 2025 soll eine Sammelquote von mindestens 80 Prozent erreicht werden, bis 2027 sogar 90 Prozent. Jährlich sollen dadurch bis zu 2,2 Milliarden Flaschen und Dosen gesammelt und recycelt werden. Die Umsetzung obliegt der EWP Recycling Pfand Österreich gGmbH.
⇢ Keine Pfandflaschen mehr: Beliebter Getränkehersteller setzt auf Tetra Pak
Viele Haushalte sammeln mittlerweile beträchtliche Mengen an Leergut, bevor sie den Gang zum Supermarkt antreten. Dort angekommen, treffen sie häufig auf überfüllte Rückgabestationen. Ein Wiener berichtet im Gespräch mit „Heute“: „Wenn ich am Supermarkt eine Warteschlange zum Pfandautomaten sehe, drehe ich direkt um. Das ist mir dann schon zu heftig.“
Das Pfandsystem gilt nicht nur für den Einzelhandel, sondern auch für Gastronomiebetriebe, den Onlinehandel sowie Automaten und Lieferdienste. Ausgenommen bleiben Milchprodukte, medizinische Getränke sowie Tetrapaks. Während einige Verbraucher den Aufwand scheuen und ihre Flaschen weiterhin im regulären Plastikmüll entsorgen, stellt sich die Frage nach der Motivation der Einzelhändler, diese Mengen zurückzunehmen. Die Antwort findet sich auf der Webseite von Recycling Pfand Österreich: Neben der Erstattung des Pfandbetrags erhalten die Betreiber der Automaten – typischerweise Supermärkte – eine finanzielle Kompensation für ihren Aufwand.
⇢ Tetrapak statt Plastik: Erster Getränkehersteller stellt wegen Pfand um
Für jede über einen Automaten zurückgenommene Plastikflasche werden knapp 4 Cent an den Betreiber ausgezahlt, bei Aludosen sind es 3,7 Cent. Händler, die ohne Automaten arbeiten und die Pfandgebinde manuell zurücknehmen, erhalten etwa 3 Cent pro Einheit. Diese Sätze gelten für das Jahr 2025 und unterliegen einer jährlichen Überprüfung.
Automaten im Einsatz
In einem Gespräch mit „Heute“ gab ein führender Hersteller von Pfandautomaten Einblick in den erheblichen Aufwand hinter dem System. Das Unternehmen Toperczer hielt sich zwar bei konkreten Zahlen zurück, teilte jedoch mit, dass es eine vierstellige Anzahl von Rücknahmeautomaten in zahlreichen großen Handelsketten betreibt, darunter Billa, Billa Plus, Adeg, verschiedene Tankstellen, Lagerhaus, Metro und die ÖBB.
Die 1948 gegründete Firma Toperczer hat sich als traditionelles österreichisches Handelsunternehmen und technischer Dienstleister für den Lebensmitteleinzelhandel etabliert. Neben Pfandrücknahmesystemen betreut das Unternehmen auch zahlreiche andere technische Lösungen für Handel und Gastronomie.
Geschäftsführer Goran Marusic erklärte gegenüber „Heute“: „Je nach Marktgröße verarbeiten unsere Automaten zwischen rund 200.000 und über einer Million Gebinde pro Monat (Stand Juli 2025).“
Zukünftige Lösungen
Für die Zukunft plant das Unternehmen eine Innovation: „Neben den klassischen Einzelrückgabeautomaten bieten wir auch Modelle, die eine gebündelte Rückgabe von Pfandgebinden ohne einzelne Scanvorgänge ermöglichen. Dazu planen wir bereits Pilotprojekte mit unseren Handelspartnern, um diese Lösungen auch in Österreich zu testen.“
Diese Neuerung könnte den Rückgabeprozess für Kunden erheblich beschleunigen, Zeitersparnisse bringen und möglicherweise die lästigen Warteschlangen reduzieren.