
Smartwatch untersucht, Handy verbrannt: Im Rechtsstreit um ein Buch, das Mordvorwürfe statt Suizid nahelegt, offenbaren sich brisante Details zu den Ermittlungen im Fall Pilnacek.
Polizeidirektor Takacs hat rechtliche Schritte gegen ein Buch des früheren Parlamentariers Pilz eingeleitet. In seinem Antrag wirft Takacs dem Autor und der Zack Media GmbH vor, ihm strafbares Verhalten zu unterstellen. Er fordert die Einziehung des Buches nach §33 Mediengesetz, die Veröffentlichung des Urteils gemäß §34 sowie Entschädigung wegen übler Nachrede, Beschimpfung, Verspottung und Verleumdung nach §6 Mediengesetz.
Bei der Verhandlung am Montag standen die Ermittlungsmaßnahmen im Mittelpunkt. Während das Mobiltelefon des verstorbenen Spitzenbeamten Pilnacek nicht ausgewertet und stattdessen seiner Witwe übergeben wurde – die es später nach eigenen Angaben mit einem Bunsenbrenner zerstörte – untersuchten die Ermittler dessen Smartwatch. Der niederösterreichische Chefinspektor Hannes Fellner begründete dieses unterschiedliche Vorgehen im Zeugenstand damit, dass in einem anderen Fall eine Smartwatch relevante Daten geliefert habe. “Wir hatten die Idee, ob man von der Smartwatch den Todeszeitpunkt möglicherweise nachvollziehen kann oder den letzten Weg”, erklärte Fellner. Diese Vorgehensweise sei mit der Staatsanwaltschaft Krems abgestimmt gewesen.
Das Mobiltelefon sei nicht untersucht worden, weil Pilnacek es vor seinem Tod im Haus in Rossatz-Arnsdorf zurückgelassen hatte und es daher für die Ermittler “keine Relevanz” besaß, so Fellner. Bei der Auswertung der Uhr hätten die Experten weder Gesundheitsdaten noch Standortinformationen gefunden.
Auf die direkte Frage des Richters, ob er Daten auf der Smartwatch gelöscht oder manipuliert habe, antwortete Fellner mit einem klaren Nein. Er erklärte zudem, dass ein Ordner mit “gelöschten Dateien”, über den berichtet wurde, auf jedem elektronischen Gerät zu finden sei.
Widersprüchliche Berichte
Die unterschiedliche Behandlung von Smartwatch und Handy hatte bereits am vorherigen Verhandlungstag für Diskussionen gesorgt. Pilz wies auf einen Widerspruch zwischen Fellners Abschlussbericht vom 8. Jänner 2024 und dem IT-Bericht der Staatsanwaltschaft Krems hin. Laut Fellners Bericht, der auch der APA vorliegt, ergab die “Auswertung der auf der Smartwatch vorhandenen Daten keine für das gegenständliche Ermittlungsverfahren relevanten Daten”, insbesondere gibt es keine Einträge hinsichtlich GPS-Standorten und Health-Data”.
Der IT-Bericht der Staatsanwaltschaft Krems kommt jedoch zu einem anderen Schluss: “Es wird angemerkt, dass offenbar viele Daten in Datenbanken vorhanden sind, welche dazu dienen können, die letzten Stunden des Mag. Pilnacek genauer zu erörtern. Insbesondere die Datenbank (…) enthält u.a. offensichtlich Herz-, Handgelenksbewegungs- und Sonstige-Events, welche möglicherweise genauere Schlüsse zulassen können.”
⇢ 137 Gramm Suchtgift: Serbe während Übergabe gefasst
Takacs führt in seinem Antrag aus, dass in Pilz’ Buch die These vertreten werde, Pilnacek sei “im Oktober 2023 ermordet worden” und die Behörden würden dies verschleiern. Die Ermittler gehen hingegen von Suizid aus. “Als Teil dieser unlauteren behördlichen Vorgänge identifiziert die Antragsgegnerin u.a. mich”, so Takacs. Er kritisiert auch die Behauptung von Pilz, um ihn hätte sich “früh eine türkise Polizeikette geschlossen”, weil er Medien über Pilnaceks Tod informiert und ermittelnde Beamte “gewarnt” hätte.
Im Verfahren wurde auch die Abholung persönlicher Gegenstände Pilnaceks durch Polizeibeamte bei dessen damaliger Lebensgefährtin und deren Mitbewohnerin in Rossatz-Arnsdorf thematisiert. Fellner beschrieb dies als Hilfestellung, nachdem die Frauen gefragt hätten, was mit den Gegenständen – darunter das Handy und der Wohnungsschlüssel – geschehen solle. Da beide keinen Kontakt zu Pilnaceks Angehörigen oder seiner Ehefrau wünschten, sei dieser Weg gewählt worden. Die Übergabe an Pilnaceks Ehefrau erfolgte dann über deren Anwalt.
Unklare Todesumstände
Von einem Laptop Pilnaceks sei bei der Übergabe nicht gesprochen worden, sagte Fellner. Er habe erst etwa zwei Wochen später davon erfahren, als Pilnaceks Ehefrau danach fragte. Bei Nachfragen hätten sowohl die ehemalige Lebensgefährtin als auch deren Mitbewohnerin erklärt, keine Wahrnehmung zu einem Laptop zu haben. Allerdings hätten Polizisten, die Pilnacek bei einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss in der Nacht vor seinem Tod angehalten hatten, berichtet, er habe eine schwarze Aktentasche aus seinem Fahrzeug genommen, bevor er in das Auto der Mitbewohnerin seiner Lebensgefährtin stieg.
Fellner betonte in seiner Einvernahme, dass alle am Fundort der Leiche anwesenden Beamten von Suizid ausgegangen seien. Diese Einschätzung teilte auch jener Kriminalbeamte, der am Donaustrand die mutmaßlichen Fußspuren des Verstorbenen fotografiert hatte. Dieser sagte aus, dass keine Blutspuren, jedoch eine Zigarettenpackung von Pilnaceks Marke “Camel” gefunden worden sei. Es hätten keine Hinweise auf Fremdverschulden vorgelegen, alles sei “sehr klar” gewesen. Die Gemeindeärztin habe diese Sicht geteilt.
Eine etwas abweichende Darstellung lieferte die ebenfalls als Zeugin geladene ehemalige Staatsanwältin aus Krems, die damals eine Obduktion angeordnet hatte. Eine Polizistin habe bei ihr um Leichenfreigabe gebeten und erklärt, eine Obduktion sei nicht nötig: “Nur weil er berühmt ist brauchen wir das nicht machen, da ist es ja schade ums Geld.” Diese Äußerung habe sie erstaunt, sagte die Zeugin. Sie habe die Obduktion wegen der “unklaren Auffindungssituation” angeordnet. Die Gemeindeärztin habe ihr gegenüber andere Angaben gemacht als zuvor von den Zeugen geschildert: Für sie sei die Situation nicht so eindeutig gewesen, da “er liegt am Rücken, das Gesicht ist oben, und Wasser nicht so tief und er sei atypisch blau”.
Der Prozess wird bereits am Dienstag fortgesetzt. Dann sollen unter anderem Pilnaceks ehemalige Lebensgefährtin und deren Mitbewohnerin, die auch Mitarbeiterin von Ex-Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka ist, aussagen.
Bei ihnen hatte Pilnacek vor seinem Tod in Rossatz-Arnsdorf gelebt.
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