Start News Panorama Rainer Will: „Zwischen Internetgiganten und Kleinunternehmen herrscht kein Fair Play.“
INTERVIEW

Rainer Will: „Zwischen Internetgiganten und Kleinunternehmen herrscht kein Fair Play.“

Rainer Will "Wie real bist du" (FOTO: KOSMO)

Im exklusiven Interview sprachen wir mit dem Geschäftsführer des österreichischen Handelsverbandes, Rainer Will über sein neues Buch – „Wie real bist du? Das Manifest der Digitalisierung“ – die heutigen Wirtschaftsstrukturen und den unfairen Wettbewerb zwischen Riesenkonzernen und stationären Händlern.

KOSMO: Was war der Gedanke dahinter, das Buch zu schreiben?
Rainer Will: Ich wollte mit meinen Messages die Breite erreichen, um allen Menschen die Zusammenhänge der Digitialisierung  mit Wortwitz und mit schönen Graphiken einfach zu erklären. Zusammenhänge transparent darstellen, ohne politischen Schönsprech.

Was stimmt Sie da in Sorge? Aus dem Buch liest man Ihre Besorgnis heraus.
Definitiv bin ich besorgt. Unser Wirtschaftssystem entwickelt sich in eine Richtung, wo es nur noch 0 oder 1 gibt. Das bedeutet, dass man als Unternehmen entweder alle Konsumenten hat oder keine. Es gibt so gut wie kein Mittelmaß mehr. Wieso? Weil ich als Kunde durch die Digitalisierung alle Produkte zu kostengünstigsten Konditionen finde. Oft sind das Fake-Produkte die unter schlechten Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Das war vor der Globalisierung anders, da ich regionale Wirtschaftsstrukturen hatte, wo jeder Konsument meistens Vorort eingekauft hat.

„Unser Wirtschaftssystem entwickelt sich in eine Richtung, wo es nur noch 0 oder 1 gibt. Das bedeutet, dass man als Unternehmen entweder alle Konsumenten hat oder keine.“

Was ist dann Ihre Kritik? Dass die Welt sich verändert?
Es herrscht kein Fair Play. Stationäre Betriebsstätten dürfen gegenüber den Internetgiganten nicht strukturell benachteiligt werden. Im Handel hat das eine besondere Ausprägung, weil wir 600.000 Mitarbeiter beschäftigen und eine wesentliche Säule sind, die oftmals in der politischen Wahrnehmung zu kurz kommt. Jeff Bezos mit Amazon kann dadurch, dass er riesige Mengen kauft und verkauft, den bestehenden Handel unter Druck bringen. Das ist der Vorteil des First Movers, der die Skalierung genutzt hat.

Meine Kritik setzt aber dort an, wo es ein unfairer Wettbewerb ist. Der stationäre Handel muss hohe Lohnnebenkosten und viele Zuschläge zahlen, während im Amazon Lager in Großebersdorf bis zu 90% Leiharbeitskräfte tätig sind. In den anderen Wirtschaftsbereichen sind es meist unter 5%. Zudem zahlen sie durch Steuerkonstruktionen in Steuerparadiesen kaum Ertragssteuer, obwohl sie Milliarden verdienen. Das kann ein Geschäft mit Betriebsstätte in Österreich nicht.

Monopole und Steueroasen sind aber nichts neues…
Es gibt aber eine Entwicklung und zwar, dass man den Menschen heute schon intuitiv durch die digitalen Geräte erreicht. Die Aufmerksamkeitsspanne vom Menschen entspricht mittlerweile der eines Goldfisches. Das geänderte Konsumentenverhalten nutzen allerdings die großen Firmen auf völlig neuem Wege.

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Wie real bist du? Das Manifest der Digitalisierung (FOTO: zVg.)

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