Knapp einen Monat nach dem Aus von Peter Stöger hat Rapid-Sportdirektor Markus Katzer die Hintergründe der Trennung offengelegt. In einem ausführlichen Gespräch bei Rapid-TV blickte er auf die Berg- und Talfahrt der Hütteldorfer zurück.
Der Saisonstart verlief noch nahezu traumhaft: Elf Siege aus 14 Pflichtspielen katapultierten die Grün-Weißen in die Rolle des Titelanwärters und sorgten für Euphorie im Lager der Wiener. Doch im weiteren Verlauf des Herbstes begann das Konstrukt zu bröckeln.
Als Wendepunkt identifizierte Katzer die 1:3-Niederlage im Wiener Derby gegen die Austria. „Ab diesem Spiel haben wir begonnen, reaktiver zu spielen, defensiver zu stehen und unser Spiel stark auf die Basics zu reduzieren“, erinnert sich der Sportchef. Diese vom Trainerteam initiierte taktische Umstellung zeigte zunächst noch Wirkung. „Wir haben drei bis vier Spiele noch gewonnen, was wichtig war.“ Langfristig konnte diese Herangehensweise die Mannschaft jedoch nicht stabilisieren.
Besonders brisant wurde die Situation nach dem 1:1-Unentschieden bei der WSG Tirol. Stöger sorgte im Anschluss mit einem brisanten TV-Interview für Aufsehen: „Da müssen wir für uns als Klub gemeinsam eine Linie finden, wo die Reise hingehen soll. Momentan sind wir mit vielen Dingen nicht zufrieden und versuchen immer wieder eine Mischform auf den Platz zu bringen.“ Diese kryptischen Äußerungen führten zu internen Irritationen und einem klärenden Gespräch zwischen Trainer und Sportdirektor.
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Stögers Bewährungsphase
„Nach dem Wattens-Spiel, wo Peter dieses sehr kryptische Interview gegeben hat, haben wir uns zusammengesetzt“, berichtet Katzer. In diesem Meeting sei deutlich geworden, dass Handlungsbedarf besteht. „Der Tenor war eindeutig, dass sich gewisse Dinge rasch ändern müssen.“
Die Klubführung gewährte Stöger dennoch eine weitere Bewährungschance. Die zweiwöchige Vorbereitungsphase auf das GAK-Spiel sollte die Trendwende einleiten, doch die 1:2-Heimpleite gegen die Grazer verstärkte die internen Zweifel. Trotzdem erhielt der Coach auch für das anschließende Conference-League-Duell in Polen noch einmal das Vertrauen. „Wir haben überlegt, ob wir ihm dieses Spiel noch geben. Wir haben es getan – und wieder verloren.“
Einen Tag nach dem 1:4-Debakel gegen Rakow zog Rapid die Reißleine und trennte sich von Stöger und Co-Trainer Thomas Sageder. Für die Entscheidung war laut Katzer nicht allein das Ergebnis ausschlaggebend. „Das Problem war auch die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind“, erklärt der Sportchef. „Wir hatten nicht mehr das Gefühl, dass er der Mannschaft die nötige Energie geben kann, um das Ruder noch herumzureißen.“ Zudem sei man „mit der Entwicklung einzelner Spieler“ unzufrieden gewesen.
Trainersuche läuft
Die Interimslösung mit Stefan Kulovits brachte nicht den erhofften Aufschwung. In fünf Pflichtspielen bis zur Winterpause blieb der Erfolg aus – kein einziger Sieg gelang unter seiner Regie. „Ich habe mir einen positiven Effekt erwartet, der in der Spielweise auch da war, aber die Ergebnisse waren zu wenig“, zieht Katzer eine ernüchternde Bilanz.
Parallel zur sportlichen Krise läuft in Hütteldorf die Suche nach einem neuen Cheftrainer auf Hochtouren. „Wir haben einen langen Prozess mit unterschiedlichen Profilen und Gesprächen hinter uns.“ Bis zum Trainingsauftakt am 6. Jänner soll die Trainerfrage geklärt sein. Trotz der angespannten Situation blickt Katzer verhalten optimistisch in die Zukunft.
„Vieles wirkt aktuell schlechter, als es ist. Ich glaube, dass in dieser Saison noch sehr viel möglich ist und wünsche mir, dass wir um die Topplätze mitspielen.“