Während die „Blutspenderpension“ der geburtenstarken Jahrgänge droht, kämpft das Rote Kreuz um neue Freiwillige. Für Krebspatienten wie Sarah Elmer ist jede Konserve lebenswichtig.
Nur vier Prozent der Österreicher spenden regelmäßig Blut – eine alarmierend niedrige Quote, die laut Rotem Kreuz für eine sichere Versorgung nicht ausreicht. Die Organisation blickt mit Sorge auf den demografischen Wandel: Während die geburtenstarken Jahrgänge allmählich aus dem Spenderkreis ausscheiden, werden dringend junge Freiwillige benötigt. Besonders die Krebsmedizin ist auf eine kontinuierliche Versorgung mit Blutkonserven angewiesen.
„Die Patientenversorgung in unseren Einrichtungen wäre ohne die freiwilligen Blutspender schlichtweg unmöglich“, betont Ursula Kreil, stellvertretende medizinische Leiterin der Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und das Burgenland. Sie unterstreicht den akuten Mangel: „Wir benötigen vor allem jüngere Spender, da die geburtenstarken Jahrgänge nach und nach in die Blutspenderpension gehen.“
Der Prozess sei dabei denkbar unkompliziert: „Man nimmt sich ein bisschen Zeit in die Hand und kann mit seiner Blutspende oft wirklich ein Leben retten.“ Jährlich werden 350.000 Blutkonserven an Patienten weitergegeben, wobei mehr als 40 Prozent an Menschen mit chronischen Erkrankungen gehen, darunter zahlreiche Krebspatienten. Kreil betont den verantwortungsvollen Umgang mit dieser kostbaren Ressource: „Blut ist eine begrenzte und extrem wertvolle Ressource“ und müsse sehr verantwortungsbewusst eingesetzt werden.
Krebspatienten leiden
In Österreich erkranken jährlich zwischen 250 und 300 Kinder an Krebs – eine Patientengruppe, die besonders auf Blutspenden angewiesen ist. „Jede Chemotherapie führt nicht nur zur Zerstörung des Krebses, sondern auch zur Zerstörung des eigenen blutbildenden Systems der Kinder. Das heißt, die Kinder bekommen eine Blutarmut“, erläutert Professor Andishe Attarbaschi, Co-Direktor des St. Anna Kinderspitals in Wien.
Die Symptome treffen besonders Heranwachsende hart: „Die bekommen Kopfweh, wollen schlafen und sind schlapp. Das Herz rast. Die Kleinkinder verkraften das zum Teil besser.“
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Lebensrettende Therapien
Die medizinischen Fortschritte durch die Verfügbarkeit von Blutkonserven sind beeindruckend: „Wir haben in den 60er-Jahren praktisch kein Kind retten können und heute im Jahr 2026 heilen wir bis zu 85 Prozent aller Kinder und Jugendlichen von einer Krebserkrankung“, erklärt Attarbaschi. Der Grund: Die Blutkonserven ermöglichen intensivere Chemotherapien, wodurch Krebserkrankungen aggressiver bekämpft werden können.
Die 21-jährige Sarah Elmer ist ein lebendiges Beispiel für diesen Erfolg. Im Alter von zehn Jahren erhielt sie die Diagnose bilineare Leukämie, eine besonders seltene Form von Blutkrebs. „Man kann damit eigentlich gar nicht so richtig umgehen. Gehen mir meine Haare aus? Kann ich meine Freunde bald wiedersehen?“, beschreibt Elmer ihre damaligen Ängste nach der Diagnose.
Während ihrer Behandlung erhielt sie insgesamt 93 Blutkonserven – heute gilt sie als geheilt.
„Die Blutkonserven haben dazu beigetragen, dass ich heute dastehe, und dafür bin ich sehr dankbar“, sagt sie.