Ein Blick auf den aktuellen Schuldenreport offenbart die brisante Lage. Die staatlich anerkannte Schuldenberatung verzeichnet einen historischen Höchststand an Hilfesuchenden. Mit einem Anstieg um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, erleben die Beratungsstellen den größten Andrang seit zwölf Jahren. Durchschnittlich sind die Ratsuchenden mit rund 55.000 Euro belastet. Die asb Schuldnerberatungen GmbH, unter der Leitung von Clemens Mitterlehner, schlägt Alarm. Ohne Schuldentilgung verdreifachen sich die Betrage alle acht Jahre – eine Folge aus Zinsen, Zinseszinsen und weiteren Kosten.
Luxus statt Notwendigkeit?
Besonders erschreckend ist der starke Anstieg derjenigen, die ihre überschrittenen Lebenshaltungs- und Wohnkosten als Ursache für ihre Misere nennen. „Hohe Lebenshaltungskosten und Wohnungskosten werden zunehmend als Überschuldungsgrund genannt, mit einem Anstieg auf das Zweieinhalbfache im Vergleich zum Vorjahr“, erläutert Clemens Mitterlehner. Die Spirale der Teuerung scheint viele Österreicherinnen und Osterreicher erfasst zu haben. Über ein Drittel der Klienten lebt bereits unterhalb der Existenzminimums.
Regierung reagiert mit Milliardenhilfen
Die Bundesregierung, unterstützt von Sozialminister Johannes Rauch, versucht durch Unterstützungspaket dem entgegenzuwirken. „Die Teuerungen der letzten Jahre haben Menschen mit Schulden besonders hart getroffen, insbesondere durch Preissteigerungen bei Lebensmitteln, Mieten und Energie“, erklärt Rauch. Mit einem Unterstützungspaket von über 40 Milliarden Euro, darunter ein Paket gegen Kinderarmut und der Wohnschirm, sollen rasche Lösungen bereitgestellt werden. „Die Senkung des Arbeitslosengeldes wurde verhindert“, fugt Rauch hinzu und plädiert für langfristige Lösungen wie eine Kindergrundsicherung und eine Anhebung des Existenzminimums.
Existenzkrise: Wenn das Minimum nicht genügt
Der Existenzkampf vieler Menschen wird in Zahlen spürbar. Die asb verweist auf Referenzbudgets, die ein monatliches Einkommen von 1.730 Euro für ein menschenwürdiges Leben als notwendig ansehen – weit entfernt vom aktuellen Existenzminimum von 1.110 Euro. Diese Kluft bedeutet für viele Betroffene ein Leben am Rand der Gesellschaft, ohne soziale und kulturelle Teilhabe.
Zukunftssorgen und strukturelle Reformen
Die Sorge um die Zukunft bleibt groß, und die Forderung nach strukturellen Änderungen wird lauter. „Strukturelle Reformen sind notwendig, um Armut in Österreich zu verhindern“, betont Rauch. Für die kommenden Jahre sieht er in einer umgestalteten Sozialhilfe und einem erhöhten Existenzminimum wesentliche Stellschrauben.
Die Schuldenberatungen selbst können auf eine Sonderforderung vom Sozialministerium in Hohe von nahezu 1,4 Millionen Euro zwischen 2021 und 2024 zurückgreifen, um dem gestiegenen Bedarf nachzukommen.
