Schwerbewaffnet, mitten unter Gästen – ein Mann bringt einen Samstagabend in Washington D.C. zum Entgleisen.
Es ist 20.30 Uhr Ortszeit an einem Samstagabend, als im noblen Hilton Hotel in Washington D.C. die Stimmung schlagartig kippt. Dumpfe Schläge hallen durch die Gänge, für einen kurzen Moment macht sich Verwirrung im Festsaal breit. Auf der Bühne sitzt US-Präsident Donald Trump (79) neben seiner Frau Melania (56), vor ihnen Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt, die regelmäßig über das Weiße Haus berichten.
Shock on Melania's face. Another attempt on President Trump's life. pic.twitter.com/94w5LQNUJC
— Rita Panahi (@RitaPanahi) April 26, 2026
Nur Sekunden zuvor hat der Verdächtige Cole Tomas Allen (31), ein Mann aus Kalifornien, eine Sicherheitsabsperrung passiert, ohne aufgehalten zu werden. Laut Polizei führte er eine Pistole, ein Gewehr sowie mehrere Messer mit sich. Die dumpfen Geräusche, die im Saal zu hören waren, stammten aus einer dieser Waffen.
Ein Polizist wurde getroffen, überlebte den Vorfall dank seiner Schutzweste aber aller Voraussicht nach, wie Trump später mitteilte. Allen wurde noch vor Ort festgenommen. Aufnahmen zeigen ihn oberkörperfrei und gefesselt auf dem Boden des Hotels.
Panik im Festsaal
Unmittelbar darauf bricht Panik aus. Den Anwesenden wird bewusst, dass Schüsse gefallen sind – irgendwo in unmittelbarer Nähe. Agenten werfen sich auf den Präsidenten, bringen ihn, seine Frau und weitere hochrangige Politikerinnen und Politiker aus dem Saal.
Die übrigen Gäste des Korrespondenten-Dinners bleiben zurück, ducken sich, suchen Deckung unter den Tischen. Kellner verlassen fluchtartig den Raum. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand weiß: Offenbar wurde soeben ein weiterer Anschlag auf Donald Trump vereitelt.
President Trump and Vice President JD Vance were rushed off the stage after shots were fired at the White House Correspondents’ Dinner.#news pic.twitter.com/YQuG8gzTMf
— MS NOW (@MSNOWNews) April 26, 2026
Welt-Chefredakteur Helge Fuhst befindet sich in diesen Momenten mitten im Geschehen und erlebt die Panik aus nächster Nähe. „Hier drinnen wurde es auf einmal ganz laut, weil sich Hunderte von Leuten innerhalb von Sekunden unter die Tische geworfen haben“, sagt er kurz nach dem vereitelten Anschlag.
In den Minuten nach den Schüssen herrscht vor allem Ungewissheit. Reporter amerikanischer Fernsehsender, im Abendkleid oder Anzug mitten unter den Gästen, schalten live in den Saal. Belastbare Informationen haben sie kaum – dafür kursieren erste Gerüchte. „Manche wollen einen Schuss gehört haben, andere nicht. Ich selbst konnte nichts hören“, sagt Fuhst.
Um 20.55 Uhr wird der Ernst der Lage für alle unübersehbar. „Hotelmitarbeiter tauchten auf und forderten alle Anwesenden auf, das Gebäude zu verlassen, wobei sie mit den Händen winkten und riefen: ‚Los, los!'“, berichten Reporter von „The Atlantic“. Während die Journalistinnen und Journalisten nach draußen geleitet werden, ist FBI-Chef Kash Patel in einem Gang im Untergeschoss zu sehen – telefonierend.
Auch Tim Röhn, Leiter des Axel Springer Global Reporters Network, hält sich zum Zeitpunkt der Schüsse im Hotel auf. „Das war ein großer Schock für alle Anwesenden. Trump war erst ein paar Minuten da, war kurz zuvor bei verhaltenem Beifall auf die Bühne gekommen. Beim Abspielen der Nationalhymne hielt er sich die Hand auf die Brust. Nur wenige Minuten später, kurz nach der Eröffnungsrede, plötzlich Chaos, Geschreie. Anwesende warfen sich auf den Boden, versteckten sich unter den Tischen. Schnell war klar: Das war ein schwerwiegender Vorfall.“
Trumps Reaktion
Gegen 21.40 Uhr verlässt Trump das Hotel, begleitet von seinem Sicherheitsteam. Auf Truth Social kündigt er an, das Dinner fortsetzen zu wollen: „The show must go on.“ Kurz darauf folgt jedoch die Absage – die Veranstaltung soll innerhalb der nächsten 30 Tage nachgeholt werden.
Bereits gegen 22.45 Uhr tritt er im Weißen Haus vor die Presse. Trump erklärt, er habe bereits ein Foto des Verdächtigen veröffentlicht. Cole Tomas Allen bezeichnet er als „kranke Person“ und „Möchtegern-Mörder“. Er sei mit mehreren Waffen bewaffnet gewesen, bevor er vom Secret Service gestoppt wurde. Der Mann habe als „durchgeknallter Einzeltäter“ gehandelt, so Trump.
Novo vídeo mostra momento da captura de atirador que tentou cometer atentado contra Trump. pic.twitter.com/GVAUo2PU2X
— PATRlOTAS (@PATRlOTAS) April 26, 2026
Die Behörden gehen zu diesem Zeitpunkt bereits davon aus, dass Allen allein gehandelt hat. Er wird in ein Krankenhaus gebracht und wegen Waffenbesitzes sowie Körperverletzung angeklagt, wie US-Staatsanwältin Jeanine Pirro (74) bekanntgab. Am Montag solle er einem Bundesgericht vorgeführt werden.
Das Hotel war am Samstag ab 14 Uhr für die Öffentlichkeit gesperrt, da das Abendessen für 20 Uhr angesetzt war. Der amtierende Polizeichef von Washington D.C., Jeffery W. Carroll, erklärte, der mutmaßliche Schütze sei vermutlich selbst Hotelgast gewesen.