Sechs Jahre lang fehlte jede Spur von ihr, nun tauchte die Tirolerin in Berlin auf – mit klaren Worten zu ihrem freiwilligen Verschwinden und einem völlig neuen Leben.
Nach jahrelanger Suche wurde eine junge Tirolerin, die als 15-Jährige verschwunden war, in Berlin aufgefunden. Die mittlerweile volljährige Frau wies sich dort mit ihrem Reisepass aus. Die Tiroler Polizei bestätigte den Fund und erklärte, dass weitere Untersuchungen im Gang seien. Seit ihrem Verschwinden hatte die junge Frau jeglichen Kontakt zu ihrer Familie in Tirol abgebrochen.
Laut Informationen der „Tiroler Tageszeitung“ soll die Aufgefundene gegenüber den Berliner Behörden erklärt haben, dass sie ihre Familie aus freien Stücken verlassen habe und sich freiwillig in der deutschen Hauptstadt aufhalte. Sie forderte demnach auch die Einstellung der Fahndung nach ihr. Die Tiroler Exekutive wollte diese Angaben auf Nachfrage der APA zunächst nicht bestätigen und verwies auf laufende Ermittlungen sowie den Austausch mit den deutschen Kollegen. Allerdings räumte ein Polizeisprecher ein, dass man den Aufenthalt der Innsbruckerin in Berlin bereits seit längerer Zeit vermutet hatte.
Die Behörden bestätigten gegenüber mehreren Medien, dass ein kontinuierlicher Austausch mit den deutschen Kollegen stattfindet. Konkrete Details zum aktuellen Aufenthaltsort oder zu den genauen Umständen des Auffindens werden jedoch weiterhin nicht preisgegeben. Die Ermittlungen bleiben aufrecht, auch wenn die mittlerweile volljährige Frau ihre freiwillige Anwesenheit in Deutschland betont hat.
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Ermittlungsverlauf
Die Ermittlungen hatten ergeben, dass die damals 15-Jährige vermutlich über das Internet einen Mann in Deutschland kennengelernt hatte. Die Polizei ging anfangs davon aus, dass die Jugendliche ins Nachbarland gereist sein könnte, um dort mit einem Mann zusammenzuleben, den sie nach islamischem Recht geheiratet haben soll. Eine Ermittlungsspur führte zu einer muslimischen Gemeinschaft in Berlin. Untersuchungen bezüglich möglicher Straftaten wie Freiheitsberaubung oder Zwangsheirat blieben jedoch ergebnislos.
In den Jahren nach ihrem Verschwinden gab es keine konkreten Hinweise auf den Verbleib der Jugendlichen. Ihr Bankkonto zeigte keine Aktivitäten, ihre E-Card wurde nie verwendet. Auch ihre Social-Media-Profile und E-Mail-Konten waren geschlossen worden.
Familiäre Konflikte
Die Mutter der jungen Frau hatte gegenüber der „TT“ berichtet, dass sich ihre Tochter nach einem traumatischen Erlebnis im Alter von 13 Jahren zunehmend dem strengen Islam zugewandt beziehungsweise konvertiert sei. Dies habe zu erheblichen Konflikten zwischen der Jugendlichen und ihrer Familie geführt, die mit ihrer Lebensweise – sie verließ das Haus hauptsächlich vollverschleiert mit Burka oder Niqab (Gesichtsschleier) – nicht einverstanden waren. Diese Spannungen hatte die Tiroler Polizei bereits 2023 bestätigt.
Nach Angaben der Mutter soll die Tochter ihre Angehörigen als „Ungläubige“ bezeichnet haben. Zudem kündigte die damals 14-Jährige offenbar an, heiraten zu wollen, was die Mutter ablehnte.
Die Familie hatte sich daraufhin darauf geeinigt, dass die Tochter in einer betreuten Wohneinrichtung leben sollte. Von dort verschwand sie jedoch kurze Zeit später, wie das Innsbrucker Kriminalreferat der APA mitteilte.