Die serbische Wasserball-Nationalmannschaft erlebte bei der Weltmeisterschaft in Singapur ein Debakel, das in die Geschichtsbücher eingehen dürfte. Im Spiel um Bronze wurden die „Delfine“ (Spitzname der serbischen Wasserball-Nationalmannschaft) von Griechenland mit 16:7 (2:2, 0:6, 3:3, 2:5) regelrecht demontiert. Besonders das zweite Viertel entwickelte sich zum Albtraum, als die Serben sechs Gegentreffer ohne eigenen Torerfolg hinnehmen mussten.
Trainer Uros Stevanovic verlor während einer Auszeit komplett die Fassung. „Was zum Teufel ist los mit euch? Kein einziger Spieler hält sich mehr an die Absprachen!“ schrie er seine Spieler an. „Alles langsam, alles träge. Immer soll jemand anderes es richten, verdammt. Ist mir scheißegal. Was sind das für Würfe mit einem Mann mehr, was ist das für eine Verteidigung?! Wacht auf, es ist noch nicht vorbei“.
Die Leistung der Serben war in allen Belangen enttäuschend. Weder das Überzahlspiel funktionierte, noch stand die Defensive sicher. Vasilije Martinovic war mit vier Treffern noch der auffälligste Akteur, während Nemanja Vico, Nikola Murisic und Dusan Mandic jeweils nur einmal einnetzen konnten. Nach dieser Vorstellung werden die Wasserballer und das Trainerteam einiges aufzuarbeiten haben, bevor im Jänner die Europameisterschaft in Belgrad ansteht.
Medaillenhoffnungen zerschlagen
Das Spiel begann um 11.35 Uhr mit dem Aufeinandertreffen der serbischen Auswahl gegen die griechischen Wasserballer. Vor dem Match hatte Stevanovic noch betont, wie wichtig es sei, die knappe Halbfinal-Niederlage gegen Ungarn (19:18) abzuhaken. „Wir müssen das Duell mit den Ungarn jetzt vergessen und kurz beiseitelegen, auch wenn wir es später sicher noch analysieren werden. Jetzt gilt es, die Köpfe freizubekommen, Emotionen zu kontrollieren und uns zu erholen“, hatte der Coach erklärt.
Die Motivation war klar: Serbien wollte die erste WM-Medaille seit Budapest 2017 gewinnen, als man ebenfalls gegen Griechenland triumphierte (11:8). Viktor Rasovic, einer von fünf verbliebenen Spielern aus dem damaligen Kader, hatte vor dem Spiel die Marschroute vorgegeben: „Ihre Center sind ihre größte Stärke. Wenn wir sie richtig in den Griff bekommen, sind wir dem Sieg nahe.“
Gescheiterte Vorbereitung
Boris Vapenski hatte vor dem Spiel noch die Schwierigkeit betont, die Halbfinal-Niederlage abzuschütteln, aber auch die Chance, daraus zu lernen. „Wir wollen die negativen Erfahrungen zu unserem Vorteil nutzen. Eine WM-Medaille wird seit langem erwartet – besonders für jene Spieler, die seit sieben oder acht Jahren dabei sind. Für uns alle ist dieses Spiel um eine Weltmeisterschaftsmedaille eine enorme Motivation. Wir müssen uns nur erholen und werden uns optimal vorbereiten“, hatte Vapenski angekündigt.
Im Finale der Weltmeisterschaft standen sich Spanien und Ungarn gegenüber.
Generationswechsel als Herausforderung
Die erneute Niederlage reiht sich in eine problematische Entwicklung ein, die seit dem letzten WM-Erfolg 2017 zu beobachten ist. Experten sehen den personellen Umbruch als eine der Hauptursachen für die fehlende Stabilität des Teams. Nach dem Rücktritt zahlreicher erfahrener Spieler steht die serbische Mannschaft vor der Herausforderung, eine neue Generation erfolgreich zu integrieren.
Besonders auffällig waren in Singapur die wiederkehrenden defensiven Schwächen und Konzentrationsprobleme in entscheidenden Spielphasen. Diese Problematik zeigte sich bereits in den vergangenen Turnieren – seit 2017 erreichte Serbien nur noch einmal, bei der WM 2023 in Fukuoka, ein Halbfinale. Der diesjährige Einzug unter die letzten Vier hatte zunächst Hoffnungen geweckt, die jedoch durch die deutlichen Niederlagen gegen Ungarn und Griechenland jäh enttäuscht wurden.
Mit Blick auf die anstehende Europameisterschaft im Jänner wird das Trainerteam nun intensiv an den strukturellen Defiziten in der Abwehrarbeit und der Teamkohäsion arbeiten müssen, um wieder an frühere Erfolge anknüpfen zu können.