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Pressefreiheit

Todeszone Journalismus: Gazastreifen fordert höchsten Blutzoll

Todeszone Journalismus: Gazastreifen fordert höchsten Blutzoll
(Symbolbild FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Tödliche Berichterstattung: 67 Journalisten verloren im letzten Jahr ihr Leben, über 500 sitzen in Gefängnissen. Der Gazastreifen bleibt das gefährlichste Einsatzgebiet.

In den vergangenen zwölf Monaten haben weltweit 67 Journalistinnen und Journalisten im Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit ihr Leben verloren. Die Mehrheit der Opfer fiel laut aktueller Jahresbilanz der Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen (RSF) kriegerischen Auseinandersetzungen oder organisierten kriminellen Strukturen zum Opfer. Die Zahl der getöteten Medienschaffenden bewegt sich damit auf ähnlichem Niveau wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Mit 29 getöteten Reportern erwies sich der Gazastreifen als gefährlichstes Einsatzgebiet für Journalisten. An zweiter Stelle folgt Mexiko, wo neun Medienschaffende ums Leben kamen. Neben der unmittelbaren Lebensgefahr stellt auch die Inhaftierung in vielen Regionen ein erhebliches Berufsrisiko dar. Dem RSF-Bericht zufolge befinden sich derzeit 503 Journalistinnen und Journalisten in 62 verschiedenen Ländern in Haft – etwas weniger als im Vorjahresbericht dokumentiert.

Die höchste Zahl inhaftierter Reporter verzeichnet China (121), gefolgt von Russland (48) und Myanmar (47). Russland führt mit 26 ukrainischen Medienschaffenden zudem die Liste der Länder an, die ausländische Journalisten gefangen halten, vor Israel mit 20 inhaftierten palästinensischen Reportern.

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Vermisste Journalisten

Darüber hinaus gelten 135 Medienschaffende als vermisst, einige davon bereits seit mehr als drei Jahrzehnten. Vermisstenfälle wurden in 137 Ländern registriert, wobei sich die Mehrzahl in Regionen des Nahen Ostens und Lateinamerikas ereignete. Besonders viele ungeklärte Fälle verzeichnet Syrien.

Zahlreiche unter dem Regime von Diktator Bashar Al-Assad verschwundene Reporter bleiben weiterhin unauffindbar. Gleiches gilt für Journalisten, die von der Terrororganisation „Islamischer Staat“ als Geiseln genommen wurden und nun in der RSF-Statistik als vermisst geführt werden. Nach Syrien weist Mexiko die zweithöchste Zahl an Vermisstenfällen auf.

Demokratie in Gefahr

„Jede tote Journalistin und jeder inhaftierte Reporter sind auch für uns in Deutschland eine Mahnung: Wer Journalist*innen angreift, nimmt uns allen das Recht, uns ungehindert zu informieren„, wird RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus in der Mitteilung zitiert. Es sei notwendig, Regierungen weltweit zum Handeln zu bewegen. „Wenn diejenigen, die kritisch berichten, um ihre Freiheit oder sogar um ihr Leben fürchten müssen, steht die Demokratie weltweit auf dem Spiel.“

Der Generalsekretär der österreichischen RSF-Sektion, Martin Wassermair, unterstrich die Dramatik der Situation: „Journalistinnen und Journalisten sterben nicht einfach so im Einsatz – sie werden gezielt getötet!“ Wassermair kritisierte zudem: „Wir sind mit einem großen Versagen von Regierungen und internationalen Organisationen konfrontiert. Sie zeigen kaum noch Engagement, den Schutz journalistischer Arbeit völkerrechtskonform zu gewährleisten.“