Trommeln, Tränengas und Tausende auf den Straßen – Belgrad erlebt eine Nacht, die Serbiens politische Zukunft neu definieren könnte.
Zehntausende Menschen haben am Samstagabend in Belgrad gegen Präsident Aleksandar Vucic demonstriert und Neuwahlen gefordert. Organisiert wurde die Kundgebung von Studierendengruppen, die damit den seit anderthalb Jahren andauernden Protesten gegen die Regierung und die grassierende Korruption im Land neuen Auftrieb verleihen wollten.
Im Belgrader Stadtzentrum machten die Regierungskritiker mit Trommeln und Trillerpfeifen auf sich aufmerksam. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren aus allen Teilen des Landes angereist. Polizeichef Dragan Vasiljevic bezifferte die Zahl der Anwesenden auf rund 34.000.
Eskalation am Abend
Als sich die Menge zu zerstreuen begann, eskalierte die Lage: Maskierte Demonstranten bewarfen Polizisten mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern, woraufhin die Einsatzkräfte Tränengas einsetzten. Mehrere Personen wurden festgenommen. Mit Fahrzeugen versperrte die Polizei den Weg zum Präsidentenpalast und zum serbischen Parlament.
Die Staatsanwaltschaft kündigte an, alle, die Polizeibeamte angegriffen hätten, würden „identifiziert und in Übereinstimmung mit dem Gesetz strafrechtlich verfolgt“. Vucic kommentierte die Vorfälle mit den Worten, die Gewaltszenen seien „nicht gut für Serbien“. „Sie werden damit nichts verändern“, fügte der Staatschef hinzu.
Aus den Reihen der Protestierenden kamen gänzlich andere Töne. „Nach anderthalb Jahren Protest hat das Volk nicht aufgegeben und seine Stärke nicht verloren“, sagte der aus dem Osten Serbiens angereiste Protestteilnehmer Ivan Milosavljevic. „Wir werden weiter machen, bis dieses gegen das Volk gerichtete Regime entfernt ist.“
Die Architektur-Studentin Andjela sagte: „Das Ziel des Protests heute ist es, dass wir uns alle wieder versammeln und den Menschen klarmachen, dass wir immer noch hier sind, dass wir kämpfen und arbeiten, dass wir nicht aufgehört haben und nicht aufhören werden.“
#BREAKING #Serbia Incidents and confrontations between protesters and police took place in Belgrade, Serbia, following the conclusion of the protests.
Video: TASS https://t.co/mpAp6XfIEZ pic.twitter.com/jYn21U0GpI
— The National Independent (@NationalIndNews) May 23, 2026
Mit der Demonstration werde eine „klare Botschaft“ gesendet, sagte der Rentner Zoran Savic: Serbien müsse „ein demokratischer Rechtsstaat“ und Teil der EU werden.
Andauernde Proteste
Seit gut anderthalb Jahren erschüttern regelmäßige Proteste das Land. Den Ausgangspunkt bildete der Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen. Was zunächst als Forderung nach Aufklärung der Unglücksursache begann, weitete sich zu einem breiten gesellschaftlichen Aufbegehren gegen die Regierung und die weit verbreitete Korruption aus – getragen vor allem von Studierenden.
Der Menschenrechtsbeauftragte des Europarats, Michael O’Flaherty, hatte bereits am Freitag erklärt, die Menschenrechtslage in Serbien habe sich verschlechtert. Er verwies dabei auf Angriffe gegen Aktivisten und Journalisten sowie auf mutmaßliche Rechtsverstöße von Polizisten im Umgang mit Protestierenden.
Clashes broke out in Belgrade after tens of thousands of people protested against Serbia's government.
Tens of thousands gathered against Serbia’s President Aleksandar Vucic.
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— Sky News (@SkyNews) May 23, 2026