**Als Führungsfigur inszeniert, als Drahtzieher angeklagt: Ein 25-jähriger Tschetschene muss sich für einen brutalen Überfall in Wien-Meidling verantworten.**
Hinter der unauffälligen Fassade des 25-jährigen Tschetschenen Abu Bakar D. verbirgt sich laut Ermittlern ein gefährlicher Drahtzieher. Der junge Mann, der sich selbst als Führungsfigur seiner Gemeinschaft inszeniert, soll im Sommer 2024 über Telegram-Kanäle zahlreiche Landsleute in Wien zu gewaltsamen Auseinandersetzungen angestachelt haben. Am Dienstag musste er sich nun vor dem Wiener Landesgericht verantworten – als mutmaßlicher Organisator eines brutalen Überfalls auf sieben afghanische Jugendliche in Wien-Meidling am 7. Juli. Mit Handschellen und spezieller Fußfessel wurde der Angeklagte unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in den Gerichtssaal gebracht.
Die Anklageschrift wirft ihm vor, den Angriff geplant, Mittäter rekrutiert und die gesamte Aktion koordiniert zu haben. Noch am Tag der Tat hatte er ein Treffen am Bahnhof Wien-Floridsdorf einberufen und einem bekannten MMA-Youtuber ein Interview gegeben. Darin rechtfertigte er sein Vorgehen mit angeblicher Untätigkeit der Polizei angesichts vermeintlicher Übergriffe auf tschetschenische Frauen durch Syrer. Seine Botschaft war unmissverständlich: Man müsse die Dinge selbst in die Hand nehmen – mit seinen Worten: „wir vernichten alles“.
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Brutaler Überfall
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft Wien fungierte er als alleiniger Initiator des Angriffs auf die sogenannten 505er. Er soll rund 30 gewaltbereite junge Männer auf der Philadelphiabrücke versammelt und mit einem Pfiff das Signal zum Angriff gegeben haben. Die Anklage beschreibt ihn als führende Figur bei der Tat. Im Gerichtssaal bestritt er jedoch sämtliche Vorwürfe: „Frau Rat, ich bekenne mich zu allen Anklagepunkten nicht schuldig.“ Er wies die Behauptungen zurück, weder als Anstifter noch als Organisator fungiert zu haben.
Drohende Konsequenzen
Die Staatsanwaltschaft lastet ihm Bestimmung zur absichtlich schweren Körperverletzung sowie schwere gemeinschaftliche Gewalt an und verweist auf ausreichende Beweismittel. Für den Angeklagten steht viel auf dem Spiel: Zusätzlich zu einer bereits verhängten, aber noch nicht rechtskräftigen zehnjährigen Haftstrafe wegen eines Banküberfalls in Linz und Geldwäsche droht ihm weitere Gefängniszeit. Auch frühere bedingte Strafen könnten widerrufen werden.
Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.