Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Entwarnung

Urin-Alarm: Warum die „kleine Notdurft“ im Meer erlaubt, im Pool gefährlich ist

Urin-Alarm: Warum die „kleine Notdurft“ im Meer erlaubt, im Pool gefährlich ist
(Foto: Pexels)
4 Min. Lesezeit |

Was im Meer erlaubt ist, kann im Pool gefährlich werden: Die Wissenschaft gibt überraschende Einblicke in ein Tabuthema, das jeden Badegast betrifft.

Haben Sie sich jemals im Meer erleichtert und dabei ein schlechtes Gewissen gehabt? Diese Sorge können Sie getrost beiseiteschieben. Die American Chemical Society gibt Entwarnung: Das Urinieren im Meer ist nicht nur unbedenklich, sondern möglicherweise sogar nützlich. Menschlicher Urin besteht zu 95 Prozent aus Wasser, und das enthaltene Natriumchlorid stellt weder für das Meerwasser noch für die darin lebenden Organismen eine Gefahr dar – schließlich enthält Meerwasser selbst Natriumchlorid.

„Urin ist harmlos“, bestätigt Biochemiker Stewart Johnes. Die Wissenschaftler gehen sogar so weit zu behaupten, dass selbst ein gleichzeitiges Urinieren aller Menschen weltweit dem Meer keinen Schaden zufügen würde.

Mit dem Start der Tourismussaison füllen sich die Strände entlang der Adria mit Besuchern aus aller Welt. Die Vielfalt der Gäste bringt unterschiedliche Verhaltensweisen, kulturelle Gepflogenheiten und Hygienestandards mit sich. Untersuchungen zeigen, dass 62 Prozent der Badegäste im Meer urinieren. Doch nicht nur Menschen nutzen das Meer als Toilette – auch die Meeresbewohner selbst tun dies: Ein Wal scheidet täglich bis zu 970 Liter Urin aus.

Strenge Strafen

Es gibt allerdings auch jene, die das Urinieren im Meer als respektlos und unhygienisch betrachten. Diese Haltung teilt auch die spanische Stadt Marbella, die nun mit harten Strafen gegen dieses Verhalten vorgeht. An 25 verschiedenen Stränden droht jedem, der beim Verrichten der „kleinen Notdurft“ im Meer ertappt wird, ein Bußgeld von 750 Euro. Das öffentliche Urinieren wurde offiziell zum „Verstoß gegen Hygiene- und Sanitärvorschriften“ erklärt. In San Pedro del Pinatar in der Region Murcia ist das Urinieren im Meer bereits seit 2017 untersagt.

Gefahr im Pool

Ganz anders sieht die Situation in Schwimmbädern aus: Studien belegen, dass jede vierte Person in Pools uriniert und damit die eigene Gesundheit sowie die anderer Badegäste ernsthaft gefährdet. Obwohl diese Angewohnheit allgemein als unhygienisch gilt, erkennen nur wenige das tatsächliche Gesundheitsrisiko dahinter. Die Verbindung von Urin und Chlor kann die gefährliche Chemikalie Chlorcyanid erzeugen – eine Substanz, die als Kampfstoff klassifiziert ist und Herz sowie Lunge schädigen kann.

Schwimmbädern werden Desinfektionsmittel wie Chlor zugesetzt, um Krankheitserreger wie Salmonellen oder E. Coli abzutöten. Diese Mittel reagieren mit menschlichem Schweiß, Schmutz und Urin. Die entstehenden chemischen Reaktionen werden als Desinfektionsnebenprodukte bezeichnet. Der charakteristische „Schwimmbadgeruch“ ist tatsächlich nicht der Geruch von reinem Chlor, sondern das Ergebnis der Verbindung von Chlor und Ammoniak.

Diese als Trichloramine bezeichneten Verbindungen verursachen bei manchen Badegästen Juckreiz, brennende Augen oder Hautreizungen – bei einigen können sie sogar Asthmaanfälle auslösen.

Eine in zwei kanadischen öffentlichen Schwimmbädern durchgeführte Untersuchung überraschte selbst die Forscher. In einem Becken mit 416.000 Litern Fassungsvermögen und einem größeren mit 830.000 Litern wurden Tests durchgeführt.

Das Ergebnis: Innerhalb von nur drei Wochen hinterließen die Badegäste im kleineren Becken 26,5 Liter Urin, im größeren sogar fast 76 Liter.

Gesundheitliche Folgen im Fokus

Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass der Kontakt mit Trichloramin und anderen Desinfektionsnebenprodukten zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen kann. Besonders betroffen sind Menschen, die regelmäßig schwimmen gehen, wie etwa Leistungssportler. Selbst die vergleichsweise geringe Urinmenge – 75 Liter in einem 830.000-Liter-Becken – reicht aus, um ausreichend Schadstoffe zu bilden, die Atemwegserkrankungen und chronisches Asthma begünstigen können.

Experten der American Chemical Society empfehlen daher dringend, vor dem Schwimmen zu duschen und regelmäßige Toilettenpausen einzulegen. „Nur durch verantwortungsvolles Verhalten aller Badegäste lässt sich die Konzentration gesundheitsschädlicher Chemikalien im Wasser reduzieren“, erklären Forscher. Besonders wichtig sei dies in stark frequentierten öffentlichen Bädern, wo die Wasserqualität ohnehin einer höheren Belastung ausgesetzt ist.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen