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Steuerverschwendung

„Urlaub“ für Problem-Jugendliche? Wien zahlt Reisen nach Madeira

„Urlaub“ für Problem-Jugendliche? Wien zahlt Reisen nach Madeira
Symbolbild Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Madeira statt Waldviertel: Wiener Jugendliche reisen auf Staatskosten ins Ausland – und die Behörde schweigt über Details.

Wie der „Kurier“ berichtet, bietet die Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) seit Jahren ein Programm an, das Jugendlichen mit problematischem Hintergrund mehrwöchige Aufenthalte im Ausland ermöglicht. Als Zieldestinationen fungieren unter anderem Madeira, skandinavische Länder sowie Mittelmeerregionen. Die anfallenden Kosten für diese Auslandsmaßnahmen werden dem Bericht zufolge zumindest teilweise aus öffentlichen Mitteln bestritten.

Trotz des auf den ersten Blick kostspieligen Charakters der Reisen sollen diese günstiger sein als eine Unterbringung der Jugendlichen in Wien, wo Tagessätze von bis zu 2.000 Euro pro Person anfallen können. Kritiker aus dem Umfeld der Behörde zweifeln jedoch daran, ob es dafür tatsächlich Ziele wie Madeira brauche – eine Verlegung ins Waldviertel oder nach Vorarlberg würde denselben Effekt erzielen und wäre deutlich kostengünstiger als eine Reise in die rund 3.200 Kilometer entfernte Atlantikinsel.

Kaum kommuniziert

Öffentlich kommuniziert wird über diese Maßnahmen kaum. Weder in Archiven noch auf offiziellen Seiten der Behörde finden sich entsprechende Hinweise. Bekannt wurde die Praxis unter anderem durch einen Medienbericht aus dem Jahr 2023, in dem ein Jugendlicher nicht zu seinem Prozess wegen des Verdachts der Nötigung erschien – er befand sich zu diesem Zeitpunkt auf einem sechsmonatigen Aufenthalt auf Madeira, der mit rund 30.000 Euro zu Buche geschlagen haben soll.

Auf Nachfrage des „Kurier“ konnte die MA 11 weder konkrete Zahlen zur Wirksamkeit der Maßnahme vorlegen noch die Gesamtkosten klar beziffern. Je nach Fall seien die Ausgaben entweder im regulären Tagessatz der Wiener Unterbringung enthalten oder würden gesondert verrechnet. Da es sich um ein „individuelles Angebot“ handle, variiere die Dauer der Auslandsaufenthalte erheblich. Umgesetzt würden die Projekte von verschiedenen Vereinen und Wohngemeinschaften. Insgesamt handle es sich um „Einzelfälle“ – allerdings sollen pro Schuljahr vier Minderjährige eine Schiffsreise antreten.

Unklar blieb auch, welche Personengruppen konkret von der Maßnahme erfasst werden – ob es sich um straffällig gewordene Jugendliche, Missbrauchsopfer oder Geflüchtete handelt. Die MA 11 erklärte lediglich, dass die Betroffenen Personen seien, bei denen „eine vorübergehende Herausnahme aus dem gewohnten Umfeld sinnvoll“ sei. Zugleich wurde betont, dass die Reisen „keine Belohnung“, sondern eine „intensiv betreute pädagogische Maßnahme“ darstellten, durch die Traumata aufgearbeitet, Defizite ausgeglichen sowie delinquentes und aggressives Verhalten durchbrochen werden könnten. Die Sprecherin verwies zudem auf wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit sogenannten „individualpädagogischen Auslandsmaßnahmen“ – konkrete Studien oder Statistiken wurden jedoch nicht vorgelegt.

Steigendes Budget

Aus dem Bericht geht darüber hinaus hervor, dass das Budget der MA 11 seit der Corona-Pandemie deutlich gestiegen ist. Allein im laufenden Jahr wurden bereits mehr als 500 Millionen Euro ausgegeben, während es im Jahr 2020 noch 333 Millionen waren. Für die Betreuung der Betroffenen – im Jahr 2025 befanden sich 4.150 Kinder und Jugendliche in der Obhut der Behörde – fallen dem Bericht zufolge täglich zwischen rund 200 und 1.400 Euro pro Person an.

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KO KOSMO-Redaktion
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