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Pestizidskandal

Verbotene Pestizide in Lebensmitteln entdeckt: Test schlägt Alarm

Verbotene Pestizide in Lebensmitteln entdeckt: Test schlägt Alarm
(Symbolbild FOTO: iStock)
4 Min. Lesezeit |

Verbotene Pestizide im Paprikagewürz, belasteter Grüntee – ein neuer Test deckt auf, was in heimischen Küchen landet.

Ein neuer Labortest der Konsumentenschutzorganisation foodwatch hat erhebliche Mengen an Pestizidrückständen in weit verbreiteten Lebensmitteln nachgewiesen – darunter Stoffe, die innerhalb der Europäischen Union eigentlich keine Zulassung besitzen. Insgesamt wurden 64 Produkte aus Österreich, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden untersucht. Für Österreich fallen die Befunde besonders besorgniserregend aus: In zehn der analysierten Produkte konnten 30 Rückstände nicht zugelassener Pestizide identifiziert werden, vier davon überschritten die gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwerte.

foodwatch appelliert daher an die zuständigen Behörden, diese vier Produkte unverzüglich aus dem Verkehr zu ziehen.

Stark belastete Produkte

Als besonders stark belastet erwiesen sich im Rahmen des Tests Paprikagewürze. In mehreren Produkten aus dem heimischen Lebensmittelhandel wurden gleich mehrere Rückstände nicht erlaubter Pestizide festgestellt. Das auffälligste Ergebnis lieferte Kotányi Paprika Edelsüß Spezial mit insgesamt sieben nachgewiesenen Rückständen, gefolgt von S-Budget Paprika Edelsüß mit sechs sowie Le Gusto Paprika edelsüß gemahlen mit fünf Rückständen.

Auch Grüntees schnitten schlecht ab: Sämtliche getesteten Produkte dieser Kategorie – darunter Tees von SPAR, Twinings und Westminster – wiesen mindestens zwei Rückstände nicht zugelassener Pestizide auf.

Besonderes Gewicht erhält der Befund durch einen weiteren Umstand: Mehrere Hersteller und Händler hatten gegenüber foodwatch im Vorfeld der Untersuchung versichert, durch eigene Kontrollsysteme eine gesundheitsgefährdende Pestizidbelastung ausschließen zu können. Die Testergebnisse legen nahe, dass diese internen Prüfmechanismen bei einem Teil der Unternehmen nicht ausreichend greifen.

„Konsumenten müssen sich beim Einkauf bedingungslos darauf verlassen können, dass keine gefährlichen Pestizidrückstände auf ihren Tellern landen. Dafür braucht es wirksame interne Kontrollen der Produzenten und Lieferanten und klare Vorgaben des Handels an die Produktsicherheit – gerade auch bei Eigenmarken. Unsere Stichprobe zeigt: Das Sicherheitsnetz hat massive Lücken. Nicht nur die Politik, sondern auch die Supermärkte und die Produzenten müssen diese Lücken schließen und uns vor dieser unsichtbaren Gefahr bestmöglich schützen“, erklärt Markus Linkeseder von foodwatch Österreich.

Politischer Handlungsbedarf

Darüber hinaus sieht foodwatch dringenden Handlungsbedarf auf politischer Ebene. Hintergrund ist ein strukturelles Problem: Pestizide, die in der EU keine Zulassung haben, dürfen hier nach wie vor hergestellt und in Drittstaaten exportiert werden. Über importierte Lebensmittel gelangen ihre Rückstände anschließend wieder auf europäische Teller – ein Phänomen, das als „Pestizid-Bumerang“ bezeichnet wird.

Die Europäische Kommission wäre nach Einschätzung von foodwatch rechtlich bereits in der Lage, die Rückstandshöchstmengen für derartige Stoffe auf das geringstmögliche Niveau abzusenken. Ein im Auftrag der Organisation erstelltes Rechtsgutachten kommt zu dem Schluss, dass die entsprechende Befugnis auf Basis des geltenden EU-Rechts bereits besteht.

Statt die Schutzstandards für Verbraucher zu erhöhen, könnte das geplante EU-Omnibus-Paket zur Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit bestehende Regelungen jedoch weiter abschwächen. Eine solche Entwicklung würde den Umgang mit gefährlichen Pestiziden erleichtern und die Rückstandsbelastung in Lebensmitteln zusätzlich erhöhen. foodwatch hat daher eine Petition ins Leben gerufen, die sich an die Abgeordneten des Europäischen Parlaments richtet, und ruft die Bevölkerung dazu auf, sich aktiv gegen eine Aufweichung der Lebensmittelsicherheit durch das Omnibus-Paket einzusetzen.

„Viele Pestizide sind in der EU aus gutem Grund nicht zugelassen: Sie stehen teils mit schweren gesundheitlichen Erkrankungen in Verbindung. Gleichzeitig schaden sie unseren Böden, unserem Wasser sowie der Tier- und Pflanzenwelt. Dass Rückstände solcher Stoffe trotzdem in Lebensmitteln auftauchen und somit auf unseren Tellern landen, ist nicht hinnehmbar“, sagt Markus Linkeseder von foodwatch Österreich.

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KO KOSMO-Redaktion
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