Start NEWS PANORAMA Vielweiberei: Bosnierinnen vermehrt Zweit- und Drittfrauen
POLYGAMIE

Vielweiberei: Bosnierinnen vermehrt Zweit- und Drittfrauen

(FOTOS: iStockphoto, zVg.)

Laut BIRN sei es in Bosnien-Herzegowina immer häufiger der Fall, dass die Frauen des Landes bereits verheiratete arabische Geschäftsmänner heiraten und somit Vielehen eingehen.

Eine 30-jährige Frau aus Sarajevo, Mutter zweier Kinder aus erster Ehe, wurde mit ihrer zweiten Hochzeit zur zweiten Ehefrau eines Arabers. Sie erklärte, dass sie ihren Gatten zwei Monate lang via Telefon und Videonachrichten kennengelernt hat und sich so auch mehr mit seinen Lebensgewohnheiten und Traditionen vertraut gemacht hat.

Der Vater der Frau hätte der Heirat zugestimmt und so ging sie mit dem Araber ihre zweite Ehe ein. „Ich, weiß auf welche Ehe ich mich eingelassen habe. Wir haben vor Allah geheiratet“, so die Sarajevoerin im Interview für BIRN. In ihrem Umfeld würden noch mehr als zwanzig andere Frauen seien, welche Zweit- oder Drittfrauen eines Arabers seien.

Gatte wird geteilt
Die Frau aus Sarajevo sprach im Interview davon, dass ihr von Anfang an bewusst gewesen sei, dass ihr Ehemann nicht jeden Tag mit ihr verbringen wird. Sie erzählte weiter, dass er im monatlichen Abstand nach Bosnien-Herzegowina käme. Die genaue Anzahl seiner Besuche würden von seinen geschäftlichen Verpflichtungen abhängen.

Aus diesem Grund rät die Interviewte auch all jenen, die mit einem Araber verheiratet sind, oder planen dies zu tun, im Auge zu behalten, dass der Ehemann nicht immer bei ihnen sein wird. „Wenn sich eine Frau entschließt, ihren Mann mit anderen Frauen zu teilen, so muss sie immer im klaren über die Voraussetzungen einer solchen Ehe sein“, erklärte die Sarajevoerin und betonte, dass ihr Ehemann ihr jedes Monat einen gewissen Geldbetrag zum Leben schickt. Ebenso würden die Männer aus dem Nahen Osten vor allem geschiedene Frauen mit Kindern suchen, um diesen eine Zukunft zu bieten. Es wäre nicht in ihrem Interesse, Kinder mit den Zweit- bzw. Drittfrauen zu haben.

In einer ähnlichen Situation lebt eine 23-jährige Bosnierin, welche mit einem Kuwaiter verheiratet und seine zweite Ehefrau ist. Sie bezeichnet ihre Beziehung als „Ehe aus Liebe“, wollte aber für BIRN nicht näher auf das Thema Polygamie eingehen, da sie in ihrem Heimatort mit starken Vorurteilen konfrontiert ist.

Rechtliche Situation
Aus der islamischen Glaubensgemeinschaft in Bosnien-Herzegowina war zu hören, dass diese über keine Zahlen zu diesem Phänomen hätten. Der Sarajevoer Mufti, Enes Ljevaković, meint, dass die Ehen mit den Arabern nicht am Standesamt geschlossen wurden und daher nicht offiziell in den Traubüchern des Landes verzeichnet bzw. registriert seien. „Auf der anderen Seite bedeutet das, dass die Frauen auch keinen rechtlichen Schutz bezüglich des Eherechts haben, da diese Verbindungen bzw. Beziehungen nicht als Ehe gelten“, warnt Ljevaković.

Der Anwalt Esad Hrvačić erklärte zudem, dass die Polygamie in Bosnien-Herzegowina verboten sei. „Dies ist ein grundlegendes Postulat des europäischen Rechts und es ist unmöglich das Scharia-Recht anzuwenden, laut welchem Ehen mit mehreren Frauen erlaubt sind.“ Allerdings stünde laut dem bosnisch-herzegowinischen Gesetz Vielehe nicht unter Strafe.