Start News Panorama Inflation und Arbeitslosigkeit: Ist unser Geld bald nichts mehr wert?
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Inflation und Arbeitslosigkeit: Ist unser Geld bald nichts mehr wert?

Symbolfoto. iStock/Cristian Storto Fotografia
Symbolfoto. iStock/Cristian Storto Fotografia

Wörter wie Leitzinserhöhung, Inflation, Konjunktur, Insolvenz und Rezession geistern momentan durch die Medien. Aber was hat das genau mit uns zutun und welche Auswirkungen hat die Situation auf unser Geld?

Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte vor gut einer Woche den Leitzins auf überraschende 0,5 Prozent. Recht spät für die momentane Weltwirtschaftslage. Denn andere Zentralbanken hatten da eine Leitzinserhöhung schon längst ausgesprochen. Nun legt die US-Notenbank noch eins drauf und hebt ihren Zinssatz erneut um 0,75 Prozentpunkte an. Damit liegt der US-Leitzins bei einer Spanne von 2,25 bis 2,50 Prozent.

Dadurch steigt der Druck auf die EZB, die noch bei 0,5 Prozent munter auf die steigende Inflation zuwandert. Dabei ist die Geldentwertung in Europa schon in vollem Gange. Wörter wie Rezession, Massenarbeitslosigkeit und Insolvenz stehen plötzlich im Wirtschaftsraum unserer Ära.

USA wertet Dollar auf

Das amerikanische Zentralbank-System nennt man Federal Reserve System (Fed). Es ist auch die Bezeichnung für die US-Notenbank. Vergleichbar mit der Europäischen Zentralbank. 2019 begann das Fed den Leitzinssatz zu senken. Von 2 Prozent auf 0,25.

Im Zuge der Corona-Pandemie kletterte der Zinssatz seit Anfang des Jahres wieder auf etwa 2,5 Prozent. Damit wertete die USA ihre Währung kräftig auf, was mitunter dazu führt, dass der Euro momentan weniger Wert ist als der Dollar. Exporte werden dadurch für die USA, um die Höhe des aktuelle Zinssatzes, teurer. Importe werden günstiger.

Volcker-Schock von 1979/80

1979 befand sich die US-Wirtschaft im freien Fall. Die Preise stiegen, Öl wurde unbezahlbar. Die Arbeitslosenrate erreichte undenkbare Zahlen. Kein Wunder, denn die Inflation betrug neun Prozent. (Momentan steht die Inflationsrate in Österreich bei 8,7 Prozent.) Ein weiterer Anstieg konnte damals nicht ausgeschlossen werden. Da kam Paul Volcker ins Spiel. Er ergatterte den Posten des US-Notenbankchefs in der Amtsperiode von Jimmy Carter.

Vor Volcker tappte die Fed unentschlossen von hier nach da. Aufgrund der Arbeitslosigkeit senkte man den Leitzins, um ihn kurz darauf wegen der Inflation wieder zu erhöhen. Und das mehrmals hintereinander. Man steckte im Chaos fest.

Als Volcker an oberster Stelle des Fed eingesetzt wurde, änderte sich das. Anstelle des Leitzines, wollte er den Geldmengenwachstum senken. Andere Punkte aus dem Maßnahmenpaket von 1979 wurden ebenfalls umgesetzt. Die Zinsen schossen in die Höhe. Die Inflation kletterte auf einen Höchststand von 11 Prozent. Es folgten zwei Rezessionen aufeinander. Trotzdem hielt die Fed an ihren neuen Richtlinien fest. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Zwei Jahre später konnte Volcker die Früchte seiner Arbeit ernten. Die Inflation fiel wieder auf 4 Prozent und die Zinsen wurden gesenkt.

Der ehemalige US-Notenbankchef, Paul Volcker. wikimedia/Edmond J. Safra Center for Ethics
Der ehemalige US-Notenbankchef, Paul Volcker. wikimedia/Edmond J. Safra Center for Ethics

Austauschverhältnis zwischen Geld und Gütern

Der Geldwert bezeichnet das Verhältnis zwischen Geld und der Menge an Gütern oder Dienstleistungen, die man damit erwerben kann. In weiterer Folge verkörpert die Menge der Leistungen und Waren, die ein Mensch mit seinem Gehalt erwerben kann, die Kaufkraft des Geldes.

Steigt die Inflation so wie in Österreich an, verringern sich der Geldwert sowie die Kaufkraft. Bei einer solchen Entwertung der Währung verliert Bargeld und Erspartes an Wert. Im Grunde heißt das, man kann sich weniger um sein Geld kaufen als vorher. Privathaushalte könnten davon aber profitieren.

Null-Zins-Politik und Sparbücher

Bislang vertrat die EZB eine Null-Zins-Politik. Einen Kredit aufzunehmen, war mit geringen Rückzahlungskosten verbunden und daher für viele Menschen eine sichere Geldquelle.

Personen mit Sparbüchern waren hingegen die Looser der Bankwelt. Zumindest vor der Pandemie und Leitzinserhöhung. Da von der Bank immer nur ein paar Cent auf ihre Tausende von ersparten Euro draufgelegt wurden und die Inflation den Realzins minderte, mussten die Sparer meist immer draufzahlen. Ja, Sparbücher waren so unrentabel, dass sie von einigen österreichischen Banken – wie etwa der Ersten Bank – schon abgeschafft wurden. Anmerkung: Vorhandene Sparbücher haben ihre Gültigkeit behalten, es werden nur keine neuen mehr eröffnet.

Angesichts der Wirtschaftslage ist das nun nicht mehr so. Der Leitzins wurde von der EZB auf 0,5 Prozent angehoben. Das wirkt sich positiv auf Sparbücher aber auch auf Kredite aus.

Private Kreditnehmer

Kreditnehmer, die neben ihrer finanziellen Alltagsrücklagen noch ein wenig Kleingeld übrig haben, können sich überlegen, ihren Kredit etwas früher abzubezahlen. Denn momentan wäre es günstig. Besonders wenn meinen einen Kredit mit eher schlechten Konditionen erwischt hat. Das macht allerdings nur Sinn, wenn man einen variablen Zinssatz hat. Bei einem fixen Kreditzinssatz solle man aber vorher die Vereinbarung prüfen, sonst könnte es zur Verrechnung einer Vertragsstrafe kommen – was dann wieder teurer wäre.

Neue Kreditnehmer können sich hingegen freuen. Sollte man gerade einen Kredit brauchen, muss man auf eine Fixzinsvereinbarung achten. Wenn der Zinssatz des Kredites unter der Inflationsrate bleibt, wäre der Kredit quasi zinsfrei. Yeah!

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